Beschulungsideologie ade! Unsere Welt braucht Freidenker und begeisterte Talente

Beschulungsideologie

In den letzten Tagen habe ich hier zwei Artikel zum Thema Bildungsfreiheit in Deutschland veröffentlicht und die Resonanz darauf hat mir wirklich zu denken gegeben. Dass es sich hier nicht um eine schöne Idee oder Illusion, die sich (noch) in weiter Ferne abspielt und von wenigen Utopisten gelebt wird, handelt, haben mir die vielen Kommentare, Nachrichten, privaten Mitteilungen, Shares und Klicks auf die Artikel gezeigt. Auch die 6. Empathie-Konferenz im Rahmen des “Geist Heidelberg-Festivals”, auf der ich am Wochenende war, hat mir gezeigt: ohne Zweifel ist der Weg zur völligen Bildungsfreiheit auch in Deutschland der nächste, uns bevorstehende Schritt, die große Aufgabe, wenn wir wollen, dass sich politisch, gesellschaftlich und auch außerhalb unserer Grenzen etwas ändert. Denn ja! In dieser Hinsicht befinden wir uns den anderen Ländern gegenüber absolut im Rückstand, wobei ich auf einen schönen Artikel aus dem Magazin unerzogen vom März 2008 verweisen möchte, in dem es um Schulpflicht und Bildungsfreiheit in Europa geht.

Schule bildet keine Persönlichkeiten aus

In Deutschland hingegen “werden in Diskussionen über Bildung die so genannte ‚Schulpflicht’ und der in Deutschland bestehende Schulbesuchszwang gleichgesetzt.”² Das heißt, dass man sich hierzulande sozusagen nicht vorstellen kann, ein Kind könne “Bildung” auch auf einem anderen Weg, als über Schule, erfahren. Wenn ich Menschen frage und diese Fragen auch hier einmal ganz schnell aufführe, wird fast allen die Absurdität dieser Annahme bewusst. Ist die Schule der einzige Ort, an dem ein Kind Bildung erfährt? Was hast du in der Schule gelernt, was in deinem Leben oder in deiner Persönlichkeit wirklich Anwendung erfuhr? Wie bildest du dich (jetzt, nach der Schule) weiter, wo liegen deine Lernquellen und Interessenräume? Wo kann man Bildung noch erfahren, wann hört es damit auf?
Ich benutze den Begriff “Bildung” hier ganz bewusst so penetrant und “überflüssig”, denn von Bildung müsste man in diesem Kontext eigentlich gar nicht mehr sprechen. Doch worum geht es eigentlich, wenn nicht um den Erwerb von Bildung, was bedeutet es, was meinen wir die ganze Zeit, wenn wir von Bildung sprechen?
Wir meinen – wir alle gehen davon aus! – dass es sich bei der “Bildung” um einen Grad erworbenen Wissens, erworbener Fähigkeiten, handelt – einen mehr oder weniger elitären Zustand – der daran gemessen wird, wo, von wem und in welcher (anerkannten) Institution ein Kind oder Mensch sich zu der Art Person geformt oder gebildet, hat, die in der gesellschaftlich sozialen und marktwirtschaftlichen Landschaft von der Mehrheit – dem Durchschnitt! – als “gut” oder “akzeptiert” angesehen wird. Und deshalb sagen auch alle selbst über Hitler, dass dieser trotz des Unheils, welches er angerichtet hat, ja doch ein gebildeter Mann gewesen ist. Warum? Weil er sich für Kunst interessierte und eine Schule besucht hat? Bei diesem Mensch fand eine Bildung im Sinne von Formung statt, wie bei allen anderen Menschen auch. Die Schule hat mit der Ausbildung sozialer, individuell kompetenter, empathischer und kreativer Persönlichkeiten nichts zu tun. Und in den wenigen Fällen, in denen sie damit zu tun hat, lag ihr Anteil bei einem von der Forschung noch herauszufindenden, sicher minderen Prozentsatz.
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Überdurchschnittliche Fähigkeiten erwirbt man nur in Freiheit – frei von Angst, Zwang, Erwartung und Druck
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Was erwarten wir also, wenn wir unsere Kinder in Bildungseinrichtungen schicken? Natürlich etwas anderes, als in 100% der Fälle dabei herauskommt. Wer sein Kind liebt, möchte doch, dass es sich zu einem freien, intelligenten, selbständigen und glücklichen Menschen entwickelt! Doch genau da muss man bereits ansetzen! Nicht wenige Eltern, mit denen ich über freies lernen spreche, fürchten sich davor, ihr Kind könne in einer Gesellschaft wie der unsrigen, in diesem System, nicht richtig funktionieren. Sie haben Angst, ihr Kind – das ja dann erwachsen wäre! – würde darin untergehen, habe nicht die Kraft, sich durchzusetzen und müsse doch auch lernen, sich selbst zu behaupten. Wie irrsinnig diese Annahme ist, oder besser gesagt: wie unverständlich ich sie selber, da ich sie aufgrund meiner eigenen Erfahrungen nicht teile, finde, kann ich – so merke ich immer mehr – jemandem, der ganz anders aufgewachsen ist und dessen Sichtweise noch von ganz anderen Schranken blockiert ist, nur langsam vermitteln. Wer wirklich frei und selbst bestimmt aufwächst, geht in einer Gesellschaft absolut nicht unter. Er hat durch seine innere Freiheit und Selbstbestimmtheit erst recht die Kraft, sich “durchzusetzen” und erst recht gelernt, sich und seine Ideale in die Welt zu setzen, in Beziehung zu setzen, und sich zu “behaupten”, seine in ihm angelegten kreativen Potentiale zu entfalten und Talente frei zu leben. Er durfte sich seine Begeisterung erhalten! Und hat dadurch Kompetenz in seinem – einem oder mehreren – Fachgebiet/en erlangt. Und der positive Nebeneffekt von Kompetenz ist: Erfolg. Die Annahme, sich durchsetzen und behaupten zu müssen, beruht auf dem nicht hinterfragten Glaube an ein Gesellschaftsmodell – eine Ellenbogengesellschaft! -, dass sich aus Konkurrenzdenken, Hierarchien und Leistungsvorgaben nährt. Nun stellt sich die Frage:

in was für einer Gesellschaft wollen wir leben?

Auf meine Frage, wann wir denn in Deutschland an dem absoluten Wendepunkt seien, antwortete mir Gerald Hüther gestern sinngemäß etwa das hier. Der Vergleich mit 1989 ist berechtigt und insofern kann es unter Umständen sogar ganz schnell gehen. Es müsste allerdings ein ähnlicher Prozess einsetzen, d.h. wir müssen weg kommen von “uns” als “Objekten” und uns stattdessen wieder als Subjekte begreifen. Die Bewusstwerdung von etwas, was die ganze Zeit so dahin floss, muss einsetzen. Und uns muss außerdem bewusst werden, dass wir mit dem Schulzwang etwas gewaltiges “wegfegen”, dass wir damit z.B. auch “wegfegen”, was in den Fußgängerzonen ist. Herr Köllhofer vom Deutsch Amerikanischen Institut fügte noch an: Ärzte können nicht ohne kranke Patienten leben, Juristen können nicht leben, wenn es keine Verbrechen mehr gibt und die Wirtschaft kann natürlich nicht leben, wenn es keine….

Und darüber sollten wir uns heute mal Gedanken machen!

² Quelle: http://www.unerzogen-magazin.de/download/?b=false&artID=63, Abs. 1

8 Kommentare auf “Beschulungsideologie ade! Unsere Welt braucht Freidenker und begeisterte Talente

  1. Toller Artikel, wie die anderen beiden = werde ich den Teilen!

    Kennst Du die ANASTASÍA Bücher ?
    Die kannst Du hier kostenlos runterladen = sie haben mich alle meine Fragen beantwortet.

    FB : Petra Tschudin-Zulehner ( Freilernen Teneriffa)

    Weiter so! Vielen dank für Deinen Einsatz…

    1. Danke Petra, das freut mich sehr!! Ja, die Ansatasia-Bücher kenne ich, wobei ich, bis auf den ersten band, den ich verschlungen habe (!), noch nicht alle gelesen habe. Danke für den Linktipp! Ich wusste nicht, dass es sie kostenlos im Netz gibt, toll! Alles Liebe

  2. Großartiger Artikel mit Herz und Verstand! Danke dir liebe Louise! Genau auch mein/unser Thema mit unseren 4 Kindern http://freilernfamily.de/. Haben unsere großen Kinder vor ca. 5 Jahren aus der Schule (Freie…!) rausgenommen und sind viel auf Reisen… Es lebe die Bildungsfreiheit! In Facebook gründete ich die Gruppe: Manufaktur für Potentialentfaltung – Von der Vision zur Wirklichkeit”. Noch sehr am Anfang mit der Idee wollen wir uns gemeinsam stark machen, Orte an den schönsten Plätzen dieser Erde entstehen zu lassen, an denen Familien neues Fühlen, Denken, Handeln in respektvollem Umgang (keine Gemeinschaft im festen Sinn) einüben können….außerhalb der einengenden Strukturen…. in Freiheit und Selbstbestimmung.

    Die Frauen kämpften für die Gleichstellung als Mensch in der Gesellschaft vor vielen Jahren. Jetzt kämpfen wir für die Gleichstellung unserer Kinder. Es sind M e n s c h e n ! “Die Würde des Menschen ist unantastbar…” (Art. 1 GG). Solange unsere Kinder als Objekte in der Gesellschaft (Schule…) missbraucht werden, bedeutet das einen groben Verstoß gegen diesen Artikel, den unsere Väter an erste Stelle gesetzt haben, damit nicht wieder so eine zerstörerische Diktatur, eine Unterjochung der Massen entstehen kann! Ach, da gäbe es noch so viel dazu… Du bist Wegbereiter einer neuen Welt! Danke für deine Klarheit! Liebe herzliche Grüße, Christian.

    PS: Falls es zu der großen Wende kommen sollte (wovon wir ausgehen): Zwischenlösungen wie z.B. statt Schulpflicht eine Homeschooling-Variante von Seiten des Staates einzuräumen, kommt für uns nicht in Frage. “Bildung” ist ein weitreichenderer Begriff (Adorno) als wir ihn heute in der Gesellschaft verstehen…. Da geh ich voll und ganz mit dir mit!

    1. Hey Christian, herzlichen Dank dir!! Einen wunderschönen Blog habt ihr 😉 Es ist immer wieder schön, von so herzlichen, offenen und gleich gesinnten Menschen zu hören und ich freue mich, dass ihr so sehr euren Weg geht. Meine bzw. unsere Probleme liegen nun leider wieder ganz am Anfang, denn seit unserer Rückkehr gehen wir leider nun getrennte Wege. Mittlerweile kann ich nur jedem sagen, wie leicht es ist – trotz der Gesetzeslage! – wenn man sich einig ist. Zieht man als Eltern, zummindest in dieser Hinsicht, an einem Strang, liegt einem die Welt zu Füßen! Doch diese Kunst beherrschen leider nur die wenigsten, in unserem Fall scheitert es nun leider an der zweiten Hälfte. Doch wir machen weiter und ich gehe natürlich auch davon aus: die Wende kommt! Weil wir – danke! – die Wegbereiter sind, juhuu, ist das nicht herrlich!? 🙂 Alles erdenklich Liebe für euch und hoffentlich bis bald mal, Louise

  3. Super, ich bin bin auch für Veränderung! Ich bin selbst Grundschullehrerin, aber bewusst nicht verbeamtet.Und ich weiß auch nicht, ob ich wieder einsteigen möchte, wenn die jüngste im Kindergarten ist. Ich ersticke in diesem System. Obwohl ich einige super tolle Kollegen kennenlernen durfte, habe ich doppelt so viele verpappte und unfähige Lehrer erlebt. Und das Schulsystem ist verstaubt und verpappt. Wenn man nur einen Funken von Ideen hat, werden diese sofort im Keim erstickt. Oder aber man findet sich in einer Schule wieder, die zwar richtig toll und offen für Neuerungen ist, in denen man aber nur arbeiten kann, wenn man selbst keine Familie hat und zu 100% Zeit für diese Schule hat. Auch nicht ideal.
    Wenn es erlaubt wäre, würde ich meine Kinder zu Hause “unterrichten”. Aber das darf man ja nicht mal als Lehrer. Ein Irrsinn an sich.
    Ich denke für manche Kinder ist es schon gut in die Schule zu gehen. Das passt. Und wenn man einen tollen Lehrer/in erwischt, ist das auch schön. Aber für viele Kinder wäre Freilernen in jedem Fall besser geeignet. Es fehlt mir im Bildungssytem an Flexibilität.

    1. Hey Beatrice, genau daran müssen wir also arbeiten! Und dafür müssen wir uns v.a. klar machen: wir sind Schöpfer, WIR gestalten unsere Welt und damit auch das “System”, in dem wir leben. Und nun ist es wichtig, nicht nur etwas zu tun, sondern genau in diese Richtung zu arbeiten, alles so zu gestalten, dass es für uns und v.a. unsere Kinder nicht nur erträglich, sondern bereichernd und schön ist! Liebe Grüße

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