Leben am Fluss: ein Ausflug mit den Dschungelkindern

Was ich in Deutschland immer vermisst habe, finde ich hier nun an jedem Hauseingang: Kinder! Zummindest die Zukunft Langkawis scheint damit gesichert. Lachend, bunt und farbenfroh. Wir lernen sie ganz schnell kennen, alle. An einem Tag folgen uns genau 20 Kinder auf dem Weg zu unserem Haus. Wenn wir sie treffen, ist das für uns etwas ganz besonderes. Die Kinder hier sind nicht aufdringlich, sondern trotz ihrer wachen, aufgeschlossenen Art, eher zurückhaltend und respektvoll. Bei unserem Gang über die kleine Flussbrücke bleiben wir jedes Mal sitzen und lassen einen Blick in unser kleines Vokabelheft werfen. Ein Mädchen schreibt mir neben „putih – weiß“ noch alle restlichen Farben in ihrer Sprache auf. Die Kinder hier sind wie ihre Eltern – hilfsbereit, herzlich und ehrlich. Sobald sich eine kleine Schar um uns versammelt, zieht das jedes Mal noch mehr Kinder an. Den Kern von ihnen haben wir bei unserer ersten Dschungelwanderung schon kennengelernt. Zwei kleine Mädchen in fußlangen, bestickten Seidenkleidern, gefolgt von einem Jungen und drei größeren Dorfschönheiten. Maya und Amalina sind mit 12 Jahren die ältesten und tragen als einzige ein Kopftuch. Puteri ist sechs, aber so klein und zierlich, dass man sie für das Küken hält. Irfan hat kurze Strubbelhaare und ist der Hahn im Korb. Dayang ist sieben, wie Irfan. Intan hat ein außergewöhnlich bezauberndes Lächeln. Mit ihren acht Jahren scheint sie wie die Sonne selbst.

Wir verabreden uns mit allen für einen Nachmittag um drei. Unser Dorf ist ganz in der Nähe eines Wasserfalls, zu dem uns die Kinder führen möchten, denn wir selbst kennen nur den „langen“ Weg dorthin. Der Weg führt über eine Plantage, am Dschungelrand und einer Straße vorbei und auf dem Rückweg durchqueren wir sogar einen Fluss. Mich wundert, dass selbst die kleinsten so weit von Zuhause weg dürfen, mit uns, den fremden „Masale“. Aber so wie die Kinder durchs ganze Dorf ziehen, scheint das für die Eltern ganz normal zu sein. Ich bin gespannt, was wir noch beobachten…

Unterwegs sehen wir Affen und vor uns laufen Dingos, scheue Dschungelhunde, die überall im Wald leben. Es ist tropisch warm und das letzte Stückchen führt bergauf. Aber aus unserer Wasserflasche trinkt nur Irfan einen Schluck. Beim Wasserfall angekommen, müssen wir noch einmal viele Stufen aufwärts klettern und zwischendurch hüpft immer mal wieder ein Kind aus seinem Versteck, um uns zu überraschen.

Am Wasserfall weht eine ungewohnt kühle, aber angenehme Brise. „Warum hört der Fluss hier auf?“ fragt mich Manou und wir starren in 100 m Höhe, aus der das Wasser sprühend in die Tiefe fällt. Alle Kinder rennen in voller Bekleidung ins kühle Nass. Ich frage mich, ob sie danach so schnell wieder trocknen. Laufen sie dann den ganzen Weg so nass zurück und kann man sichda nicht erkälten? Und schon ist eins der Kinder ganz weiß im Gesicht. Ein kleines Stück rosa Seife wandert jetzt von Hand zu Hand und wirkt wie ein Zauberstein. Hände, Arme, Gesichter und Haare sehen in Sekunden aus wie nach einer Tortenschlacht und sind genauso schnell auch wieder im Wasser verschwunden, ein Spiel! Nur, dass man danach sauber ist, wie nie zuvor. Die steile Felswand, von der das Wasser auf der einen Seite fließt, wird als Rutsche benutzt. Auch Erwachsene baden in voller Montur und die schrillen Geräusche erinnern mich an ein Spaßbad.

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Schon auf der Hälfte des Rückwegs sieht jedes Kind wieder aus, wie vorher. Wasser. Vielleicht ist Wasser das Geheimnis. Auf mich wirken diese Kinder so duftig und frisch. Gibt es hier auch Kinderkrankheiten? Obwohl wir in Malaysia weder letztes noch dieses Jahr krank wurden, haben wir dieses Mal im Dschungel mit Zecken zu kämpfen. Aber das Wasser hat hier vielleicht seine reinigende Wirkung behalten. Sei es das Quellwasser aus der Flasche, der sprudelnde Wasserfall oder der Monsun am späten Nachmittag, das Wasser wäscht wohl alles wieder rein.

Bei unserem Weg durchs Dorf findet Irfan ein riesiges, altes Palmblatt. Manou soll sich darauf setzen und wird von den anderen wie auf einem Schlitten gezogen, was für ein Spaß!

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Hühner hat fast jeder Haushalt und die Küken rennen links und rechts vorbei. Unser Weg ist eine wahre Fruchtallee. Bananenbäume wachsen hier, Papayas, Kokospalmen, Stinkfrüchte, sogar Chilli. Fast alle anderen Pflanzen kennen wir nicht, aber sie blühen wunderschön. Manchmal steht auch eine Kuh am Wegrand. Zwei Ziegen laufen uns entgegen und mit ihrem losen Strick am Hals werden sie, geführt von den Kindern, sogleich unsere Begleiter. Die vorbeiziehenden Dorfbewohner winken. Alle lächeln uns an. So muss sich Kindheit im Bilderbuch anfühlen.

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2 Kommentare auf “Leben am Fluss: ein Ausflug mit den Dschungelkindern

  1. hi! ich suche genau so einen ort für mein kind (3) und mich: viele kinder, nette menschen, zugang zu natur und warme temperaturen.
    ich habe ein paar monate zeit. könntest du verraten, wo ihr seid?

    ich bin mutterseelenalleine mit meinem kind und das budget ist klein. deshalb traue ich mich auch nicht auf gut glück irgendwohin zu schauen und wenns nicht passt, mich einfach weiterumzugucken…ich will sagen, ich möchte das risiko für „überraschungskosten“ minimieren.
    deine erfahrungsberichte erleichtern es, sowas für uns umzusetzen.
    dankeschön!

    1. liebe magdalena, danke für deinen schönen kommentar! wir sind nicht mehr da, aber waren auf langkawi. die insel ist nicht teuer und als familie hatten wir dort eine wunderschöne zeit. hier ist der artikel dazu: http://zwerggefluester.de/inselleben-auf-langkawi/
      und zum thema geld und reisefinanzierung habe ich auch noch drei berichte, die könnten dich interessieren, wenn du sie noch nicht gelesen hast, voilá:
      http://zwerggefluester.de/verreisen-mit-kindern-teil-ii/
      http://zwerggefluester.de/familie-sein-und-gut-leben-30-tipps-zum-thema-geld/
      http://zwerggefluester.de/leben-ohne-geld-mein-experiment-und-warum-es-immer-mehr-menschen-dazu-bewegt/
      auch einen workaway-Aufenthalt kann ich dir sehr empfehlen, wenn du dir so etwas für euch vorstellen kannst! Schön, dass du auf Zwerggeflüster gestoßen bist und bei Fragen immer herzlich willkommen hier 😉 Viele Grüße, Louise

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