Eine Langzeitreise mit Kind – und was sie uns gebracht hat

Als wir vor genau einem Jahr mit den Fahrrädern von Deutschland Richtung Süden aufgebrochen sind, habe ich nicht im geringsten geahnt, wohin uns diese Reise letztendlich führen würde – dass sie uns an diesen Punkt bringen würde.

Für Dénes und mich war es das erste Mal in unserem Leben, dass wir uns von allem wirklich frei gemacht haben. Wir haben unsere Wohnung in Deutschland gekündigt und aufgelöst, alle Sachen darin verkauft, verschenkt und ein paar wenige Dinge in Kisten verpackt und im Keller einer Freundin eingelagert. Mit unseren Arbeitgebern vereinbarten wir, uns eine Zeit lang vertreten zu lassen, da unsere Rückkehr bzw. der Zeitpunkt dafür noch in den Sternen stand.

Wie alles begann

Als Dénes und ich uns kennenlernten, ging alles rasend schnell. Vom Schicksal bekamen wir sogar mehrere Chancen, uns über den Weg zu laufen, letztendlich haben wir uns erst auf einer Reise in Russland bemerkt. Zehn Tage – verliebt, verlobt, verheiratet.

Wenn man Eltern wird, ändert sich das gesamte Leben – komplett. Du wirst ein völlig anderer Mensch, nichts ist mehr, wie es einmal war. Und deshalb verstehe ich jetzt auch langsam, weshalb diese Entscheidung für viele Menschen so gewichtig ist. Unsere Eltern sind aufgrund dieser neuen Situation zusammengekracht und in ein Loch gefallen. Gescheiterte Beziehungen, ungelebte Träume, verfahrene Meinungen und nun der Drang, sich noch einmal zu beweisen und alles wieder gut zu machen. Gut gemacht haben sie es immer. So gesehen finde ich, dass wir ziemlich mutig waren. Und noch sind. Denn alles, was wir in den letzten Jahren durchlebt haben, ist ein Resultat aus einer immerwährenden Suche nach Liebe, Freiheit und dem Sinn des Lebens – allein, als Eltern und nun mit Kind.

Was ich an uns mag – unser Beitrag zum Reisen

Wir haben immer ja gesagt. Ja, wir wollen ein Kind! Ja, es darf gern auch sofort kommen. Willst du mich heiraten? Ja. Ja, wir ziehen zusammen, lieber sofort, bevor der dicke Bauch da ist. Ja, wir machen es unseren Eltern recht und nennen das Kind nicht Coco, ja, wir ziehen ins grüne und dann nach Frankreich und ja, wir werden reisen, ja, viel reisen, machen, was immer wir wollen, ja, wir sparen Geld, viel Geld, damit wir uns dann mal ein Jahr absetzen können, ja, zusammen, immer zusammen, juhuuu, jaaaa!!! Leben heißt Veränderung und in unseren fünf Jahren hat sich immer wieder viel verändert, weil wir es wollten.

Weil jeder etwas wollte. Und wir dafür gemeinsame Lösungen finden wollten. Und darin sind wir ein richtig gutes Team. So sehr, dass wir uns irgendwie selbst  darin verloren haben, im Lösungen finden. Jeder für sich. Jeder mit sich. Tolerant und very peaceful. Denn: gestritten haben wir uns nie, nicht so, wie man das üblicherweise als solches bezeichnet, eher nach innen. Und von all dem mussten wir uns nun irgendwie wieder frei machen. Zumindest ich wollte das. Ich wollte reisen. Dénes hat das reisen nie so vermisst. Und sich doch trotzdem gefangen gefühlt in seiner Welt. Für ihn lag eine Lösung darin, seinen Job zu kündigen, etwas komplett anderes zu machen und nach Indien zu gehen.

Was unsere Reise mich gelehrt hat

Hier kann ich nur für mich sprechen, denn nun, wieder zurück in Deutschland, sind wir nicht mehr zusammen und gehen auf unserem Weg, mit unserem Kind, getrennt weiter.

  • Sei ehrlich zu dir selbst und deinem Umfeld, suche nach deiner eigenen Wahrheit, immer, überall.
  • Hör´auf dein Herz und vertraue deinem Bauchgefühl, lass´dich von deiner Intuition führen.
  • Niemand kann dir helfen, außer du selbst.
  • Du kannst erst frei werden, wenn du dir selbst und anderen vergibst.
  • Der Kern aller Dinge ist Liebe – bedingungslose Liebe ist das höchste Ziel.

Dass unsere Reise so plötzlich enden würde, habe ich nicht erwartet. Wie fast alles, was unterwegs eingetreten ist und auch das habe ich gelernt, dass man lieber keine Pläne schmiedet, sondern Ziele formuliert, um sich auf dem Weg dorthin für den kosmischen Plan des Schicksals zu öffnen. Welches man allerdings auch noch selbst in der Hand hält. Man muss auch nicht weit reisen, um Dinge zu erkennen. Aber in unserem Fall war das der Schlüssel zu einer Tür, die ins Nirwana führt. Denn unsere Vorstellungen – unsere Illusionen –  von Liebe, Beziehungen, Seelen, Partnern und Kosmos haben sich getrennt. Wir sind an einen Punkt gekommen, an dem es für uns – zummindest jetzt, hier – keine gemeinsame Lösung mehr gibt.

Und dabei ist es gleich, ob man nun gern reist oder nicht, durch das reisen scheinbar im Außen oder durch das Nichtreisen offenbar im Innen sucht, denn: wer wirklich sucht, der findet. Und innen ist gleich außen und außen gleich innen. Die Erkenntnis bleibt die gleiche, egal, auf welchem Weg.

Meine Lösung heißt: bedingungslose Liebe, für alles und jeden und der Wunsch, sie zu lernen und mich darin zu entwickeln.

Dénes´Lösung heißt: der Buddha-Weg – sich frei machen von Leid und Schmerz (den bedingungsloses Lieben mit sich bringen kann), in Ruhe sein, für sich sein.

Eine Lösung, die wir immerhin teilen und die uns beiden auf unserem Weg hilft: Yoga und Meditation. Und Musik. Und das kleine Glück im Hier und Jetzt.

“Das Problem zu erkennen, ist wichtiger, als die Lösung zu erkennen, denn die genaue Darstellung des Problems führt zur Lösung.” [Albert Einstein]

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2 Kommentare auf “Eine Langzeitreise mit Kind – und was sie uns gebracht hat

  1. Ja sagen zum Leben und auf neue Situationen neugierig eingehen führt dazu das man sich immer wieder wundern kann. Wer den Dingen mit Liebe begegnet wird sehen, dass diese sich auch von ihrer liebenswerten Seite zeigen werden. Doch sollte man immer Bedenken, dass in Allem was ist immer beide Seiten stecken. Ohne dies würde nichts existieren. Erst der kultivierte Umgang mit beiden Seiten kann dazu führen, dass man mit sich und seiner Umwelt im Einklang lebt.

    Bedingungslose Liebe bedeutet auch immer die Aufgabe der eigenen Ziele und damit seiner selbst. Meiner Meinung nach sollte das höchste Ziel der aufmerksame und achtsame Umgang mit allem was ist sein. Die Dinge zu nutzen und sie so einzubeziehen, dass man seine Ziele verfolgt und anderen einen Nutzen bringt. Verteile was andere brauchen und empfange was dir gegeben wird, damit du es nutzen oder weiter verteilen kannst.

    Auf seine Gefühle hören heiß die Situation zu beobachten und zu erkennen. Seine Ziele zu kennen heißt mit dem angemessenen Gefühlen antworten zu können. Die Ziele des anderen zu kennen heißt zu verstehen was das angemessene Gefühl ist.
    Offenheit, Ehrlichkeit und viel Kommunikation ist der wahre Weg zur Glückseligkeit.

    1. Lieber Martin, vielen Dank für deine lange Nachricht, schön, dass der Artikel bei dir so viel ausgelöst hat! Ich bin ganz bei dir – Offenheit und Ehrlichkeit sind absolut auch mein Weg, mit allem um mich herum zu kommunizieren, das fühlt sich immer wunderschön an. Allerdings bedeutet bedingungslose Liebe für mich nicht die Aufgabe der eigenen Ziele, erst recht nicht des selbst. Ich sehe es vielmehr so: ich BIN bedingungslose Liebe und damit dies, diese, selbst. Ich muss meine Ziele nicht starr aufrecht erhalten und definiere mich nicht über sie, daher gehe ich gern mit der Transformation (meiner Ziele) mit, was natürlich manchmal schwer ist, denn das bedeutet loslassen und wirkliche (!) Offenheit, aber eben auch Weiterentwicklung. Mit angemessenen Gefühlen antworten kann, glaube ich, kein Mensch – höchstens ein Roboter. Gefühle sind u.U. immer unangemessen, eigen, subjektiv. Aber natürlich kann man seinen Gefühlen nach versuchen, angemessen zu handeln. Viel Kommunikation fördert meiner Meinung nach nicht unbedingt die Glückseligkeit, denn es gibt ja alle möglichen Wege, zu kommunizieren und wenn du damit meinst, ständig sprachlich alles auszudrücken und weiterzugeben, bin ich der Meinung, dass die meisten von uns eine herzliche, ehrliche und authentische Kommunikation erstmal entwickeln müssen, bevor sie dann auch noch viel davon anwenden. Kommunikation ohne Liebe im Kern tendiert ins Minus, hat einen negativen Wert. Love and Peace to you, deine Louise

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