Eine Oase für Stadtkinder – wie ein Garten alles verändert

Es ist Anfang Mai. Um uns herum grünt und blüht es und wir können die üppigen Frühlingstage des Wonnemonats in vollen Zügen genießen. Denn wir haben Zeit. Wir haben so viel Zeit, dass wir die ersten Sonnentage des Jahres komplett draußen verbringen. An der frischen Luft, im Grünen. Im Garten.

Der Garten

Schräg links, etwa 50 m vor unserer Haustür, befindet sich ein urbaner Garten. Bis vor wenigen Jahren war das eine kahle Fläche. Brachland, mit einem Trampelpfad. Dann beschlossen ein paar Menschen, diesem kleinen mittelgroßen Fleck neues Leben einzuhauchen. Sie bepflanzten ihn und daraus entstand ein Wunder…

Urban Gardening ist Trend und verbreitet sich immer mehr. In unserem Gemeinschaftsgarten hat jeder Glückspilz – denn die Warteliste für ein Beet mit zwei Euro fünfzig im Monat ist lang – ein kleines Beet, dass er bewirtschaftet. Auf manchen Beeten sprießen ausschließlich Erdbeeren, andere ähneln einer Feldblumenwiese. Es gibt Beete, die sind symmetrisch angelegt und wohl geplant. Beete, die in die Höhe wachsen und sich in der Hauptsaison zu dichten Quadern formen. Ganz neu ist die Kartoffelpyramide! Für Schüchterne: ein Experimentierbeet. Und: eine kleine Sträucherwiese, auf der mittlerweile junge Bäumchen gedeihen. In der Mitte des Gartens thront die Kräuterspirale – ein aufgetürmter Haufen, gerahmt von rötlichen Natursteinen. Hier wachsen Minze, Zitronenmelisse, Rosmarin, Oregano, Salbei, Sauerampfer, Schnittlauch, Basilikum oder Mutterkraut. Wer kein Beet hat, kann hier immerhin seine Kräuter ernten.

Alles, was man zum gärtnern braucht – Geräte, Blumen- oder Anzuchttöpfchen, Werkzeug, Bastelkram, aber auch Gartenliteratur oder Kräuterheilbücher – befindet sich in dem rotweiß gepunkteten Bauwagen. Sogar eine kleine, gut ausgestattete Küche ist hier verborgen. Rund um den Bauwagen, der einem der Bilderbücher Pippi Langstrumpfs entsprungen sein könnte, liegt Holz und altes Material zur freien Verwertung. Bereits damit gebaut: ein Schaukasten und unzählige Beetrahmen. Restauriert: ein Schaukelpferd. Noch damit geplant: ein Schuppen für Gerümpel. Das neuste Projekt: eine Kompost-Toilette.

Ein besonderer Platz

Unter der großen Linde stehen Tische und Stühle. Hier ist fast immer jemand anzutreffen, denn der Garten ist ein Durchgangsraum und seine Tore stehen Tag und Nacht offen. Für meins und viele andere Kinder ist das ein wunderbarer Ort und eine echte Alternative zum kreischenden Spielplatzgetöse. Die Kinder wirken hier wie Zauberwesen, rauschen durch die winzigen Gartenwege, spielen an dem kleinen Sandkasten oder der Gießstation, bewässern die Beete oder retten kleine Tierchen und Insekten. Sonntags ist Gartentag: Menschen jeden Alters und Herkunft treffen sich auf einmal und teilen sich diese kleine Oase mitten in der Stadt. Es gibt einen üppigen Brunch, zu dem jeder etwas mitbringt und es wird gegessen, gebaut, gebastelt, geplauscht, geschnattert, beobachtet, gegrillt, gehockt, gesungen und gespielt.

Wenn man im Sommer an dem Garten vorbeiläuft, ragen daraus die Sonnenblumen um die Wette. Und oft kommen Besucher aus anderen Städten in den Garten spaziert, weil sie einfach nur daran vorbeiliefen und mehr über das, was sie da sehen, erfahren möchten. Der Gartengrill hat unseren Kindern auch schon so manche schöne Abendstunde mit Knüppelteig – „Stockbrot“ – beschert.

Ein Anfang oder – eine kleine Idee, die wächst

Gestern, am 9. Mai, wurde der Spatenstich zu einer weiteren urbanen Gärtnergrünfläche gelegt. Und in einem anderen Mannheimer Stadtteil fand sogar ein drittes Gärtchen städtische Genehmigung. „Grün statt Grau“ steht auf den Gärtnerflugblättchen im neuen  Schaukasten unter der Linde. Und so wird Mannheim wirklich Tag für Tag ein Stückchen grüner – ohne öffentliches Zutun, rein durch das Engagement junger und alter Menschen, ihr Handeln, ihre Ideen und Visionen.

Dieser Garten ist für mich jeden Tag ein Geschenk, denn ich sehe, wie er die Menschen in ihm verändert, was er mit ihnen macht. Und ich bin nicht die einzige. „Dieser Garten, ja… hat mein Leben verändert!“ – Emily und ihre Freundin kommen jeden Tag hier her.

Im Übrigen hat sich derzeit ein neues Unkraut verbreitet: Pflücksalat! Wer dem frischen Kompost etwas entnommen hat, freut sich nun über das blättrige Gewächs in seinem Beet…

Mehr Infos zum Garten: http://urbaner-garten-ma.de/

Und noch mehr Gärten deutschlandweit gibt es hier:

http://gartenpiraten.net/urbane-gaerten/

http://anstiftung.de/urbane-gaerten/gaerten-im-ueberblick

Wie Gärten unsere Städte verändern: http://reset.org/knowledge/urban-gardening-mit-gaerten-die-welt-veraendern

2 Kommentare auf “Eine Oase für Stadtkinder – wie ein Garten alles verändert

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