Immobilien für Famlien – Alternative Wohnformen in Deutschland

Der Immobilienmarkt in Deutschland

Der Immobilienmarkt ist in der Krise, zummindest für uns alle, die jungen Leute und „Bürger“. Aber warum eigentlich, was ist los? Es wird von Jahr zu Jahr schwieriger, bezahlbaren Wohnraum zu finden, mittlerweile sogar fast egal, wo. Hier mal ein paar interessante Zahlen zu unserer Lage in Deutschland…

Wie viele Menschen und wie viele Wohnungen/ Häuser gibt es in Deutschland.?

2014 existierten in Dtl. etwa 41 Millionen Wohnungen in Wohn- und Nichtwohngebäuden. Wir sind 80 Millionen Deutsche.

Was kostet Wohnraum im Durchschnitt?

München, Frankfurt, Stuttgart, Heidelberg, Ingolstadt, Freiburg, Hamburg, Düsseldorf, Darmstadt, Mainz. Das sind die Städte mit den höchsten Mietpreisen im 4. Quartal 2015. Die Mietpreise für eine Whg. bewegen sich hier zwischen 10,74 Euro und 15,12 Euro, je nachdem ob man in München oder Mainz wohnt.

Wie viele Menschen haben eine Eigentumswohnung, ein Haus bzw. Wohnen zur Miete?

Rund 30 Prozent der etwa 40 Millionen Privathaushalte besaßen Anfang des Jahres 2013 ein eigenes Einfamilienhaus. Knapp 14 Prozent der privaten Haushalte waren Besitzer einer Eigentumswohnung.** Kurz: etwa 35 Mio. Deutsche wohnen zur Miete, 4,5 Mio Deutsche wohnen in einer Eigentumswohnung, 29 Mio. Deutsche wohnen im eigenen Haus

In welchem Alter wird gekauft?

Dazu findet man wenig Informationen. Laut einem der größten Immobilienportale sind Käufer heute im Schnitt 40 Jahre alt. „Im Alter zwischen ca. 25 und 35 Jahren hat man a.G. seiner langen Restlebensdauer die besten Chancen bei der Bank, ein Darlehen zu bekommen, weil man mehr als 30 Arbeitsjahre zur Verfügung hat, um dieses Darlehen abzubezahlen.“ *

Alternativen finden

Die meisten jungen Leute in meinem Alter haben von allein nicht das Geld, sich eigenen Wohnraum zu kaufen. Weiterhin weht auch auf dem Immobilienmarkt ein grüner Wind, der Trend heißt „Sharing“! Die neue Bewegung bevorzugt günstige Ökohäuser, alternative Wohngemeinschaften oder Genossenschaftsprojekte. Ein solches entsteht z.B. gerade in Mannheim, wo es lange um die Frage ging, wie das ehemalige Barackengelände neu genutzt werden kann. Auch das Schloss Hohehorst in Niedersachsen wird vor dem Verfall bewahrt, indem die Stadt daraus einfach eine Studenten-WG macht, bei der jeder lediglich einen kleinen Beitrag zahlt.

Als ich klein war, habe ich zu meinen Eltern gesagt, dass ich später mal nie im Leben Miete zahlen möchte. Und in der Tat: hat man dann mal seine schicke Wohnung oder das Zimmer in der Wunsch-WG gefunden, muss man die ersten drei-, vierhundert Euro gleich wieder an den Vermieter abdrücken. So gesehen: zum Fenster herausgeschmissenes Geld. Das heißt, die ersten 15 Stunden in der Woche, also dein Teilzeitjob, hält allein dafür her, dir deinen Wohnraum zu sichern, deine Existenz. Und viele, besonders junge Menschen, haben Existenzangst!

Nach unserer monatelangen Auszeit kommt mir der Wiedereinstieg ins deutsche Wohn- und Wirtschaftssystem total abstrakt vor. Dank unseres unglaublich tollen, sozialen Netzwerks und den hilfsbereitesten Freunden, die man sich vorstellen kann, finden wir momentan Unterschlupf in diversen Wohnungen und frei stehenden Zimmern. Doch das ist natürlich keine Dauerlösung und bei der Wohnungssuche im Moment wird mir klar – das möchte ich auf Dauer nicht mehr. Ich möchte keine Wohnung anmieten, bei der ich einen Vertrag unterschreiben, Kaution hinterlegen, Kündigungsfristen und bestimmte Vorschriften einhalten muss. Was für ein Luxus wäre es stattdessen, den monatlichen Betrag ständig für eigene Ziele, Ideen oder gemeinnützige Projekte zurückzulegen!

Der Norden und der Osten

Vor ein paar Jahren waren es noch Berlin, Dresden und v.a. Leipzig. Mittlerweile ist sogar die lange vom Leerstand geprägte Johann Sebastian Bach-Stadt zu einer Hochburg geworden. Aber auch dort gibt es noch Möglichkeiten, z.B. die Wächterhäuser. Sie bieten nahezu kostenlosen Wohnraum um vor Gebäudeabriss zu schützen, indem sie Objekte mit Leben füllen. Familien, junge Leute und Alternative, denen es auch hier zu teuer ist, ziehen z.B. nach Zeitz. Sie arbeiten oft in Leipzig und leisten sich auswärts ein kleines Häuschen mit Grundstück, manchmal noch ein paar Pferde oder eine kleine Wiese. Auch in Mecklenburg-Vorpommern kann man richtige Schnäppchen machen. Und wer sich auch im Ausland umsieht, dem stechen sofort die unglaublich günstigen Objekte z.B. in Ungarn und Schweden ins Auge. Hier gibt es von renovierungsbedürftigen Scheunen- oder Fachwerkhäusern bis voll möblierten Herrenhäusern mit Grundstück alles, für nur wenige tausend Euro. Der Haken: einsam im schwedischen Wald oder der ungarischen Pampa möchte eben keiner wohnen. Doch Achtung – hier liegt meiner Meinung nach auch die Chance für die gerade allerorts entstehenden Ökogemeinschaften und Hof-Communitys.

Was gibt es sonst noch für alternative Wohnformen zur klassischen Stadtwohnung oder zum Haus?

Earthships, Baumhaus, Jourte, Bau-/ Wohnwagen, Container, Tiny House (mobile Minihäuser), …

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Für die kleine Erholung

P1010584Datscha/ Gartenhäuschen/ Wochenendhäuschen

f81243aa-6a6a-4c9c-9f4f-d1613bc66fe1.1.10Bootshaus

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERABus/ Caravan

Wie man leben kann – drei Beispiele

Viele Menschen arbeiten darauf hin, irgendwann einmal eigenen Wohnraum in ihrem Besitz zu haben. Doch genau dabei stellt sich mir die Frage, wie ich überhaupt leben möchte. Welche Art Wohnform würde ich mir aussuchen, wo, und muss ich überhaupt besitzen? So gesehen schwingen dann natürlich auch noch viel mehr Fragen mit, z.B. die nach der räumlichen Flexibilität, dem Gefühl von Heimat oder Lebenskonzept. Wenn ich mir all das durch den Kopf gehen lasse, kapituliere ich schon und schwanke dann doch wieder zum Standardmodell Stadtwohnung. Und letztendlich geht es überhaupt immer nur darum, zufrieden zu sein, mit dem Hier, im Jetzt. Trotzdem noch vier interessante Beispiele von Menschen, die sich dazu besonders viele Gedanken gemacht haben.

Eine Jourte in Frankreich

Während unserer Zeit in Frankreich haben wir eine interessante Familie kennengelernt und zusammen mit den dreien auf ihrer Farm Acoucoula gelebt, einem Permakulturhof. Chris hat Mona am Ende seiner Fahrradweltreise kennengelernt und ist mit ihr in einen Wohnwagen gezogen. Mit dem Nachwuchs kam dann der Umzug auf die Farm, wo die drei nun gemütlich in einer Jourte, einem Nomadenzelt hausen. Ein kleines Interview.

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How did the idea came up to build a Jourte?

Mona: After years of travelling and living in the caravan we were just looking for a place to built a Jourte, to have our own home in the country side.

Why did you choose a Jourte, not an Earthship, Bungalow or something else?

Chris: Because I don´t like walls and rooms.

Was it difficult to make it and how long did it take?

Chris: We ordered the house in a „set“ with all parts and built it up with a building plan.

What is important when you want to built a Jourte?

Mona: In the winter it can be very cold. A oven in a fitting size is important. Our oven is too big and it´s getting really hot while heating. After the fire it´s soon cold again. And you have to renew the outside cover of the whole house, the isolation. Some have to be renewed every second year, ours every fifth year I think.

Is there anything you miss compared with conventional living forms?

Chris: No.

Mona: Nothing except the water. At the moment we take it from the river, but water in the house would be very nice.

Ein Grundstück in Aquitanien bekommt man übrigens schon ab 25.000 Euro. Eine Jourte im Fertigset kostet etwa 16.000 Euro.

Judits Bauwagen

Judith habe ich auf unserer Fahrradtour kennengelernt. Ihrem Vater gehört ein kleiner Bauernhof in der Nähe der wunderschönen Gegend um Fischbach. Als wir einmal mitten auf dem Land eine Unterkunft suchten, durften wir hier übernachten. Judits Familie ist vor 150 Jahren hier her gekommen und die damaligen Geschwister haben den Hof übernommen. Eine große Familie hat sich seit dem um zwei getrennte Betriebe gekümmert. „Warum wohnst du aber jetzt in diesem Bauwagen?“ habe ich Judith gefragt. – „Weil ich´s schön hier find´!“ war ihre strahlende Antwort. Mit ein paar Leuten wohnen, einen großen Garten haben, zufrieden sein, Brot backen und in Zukunft Freiluftkino machen, das ist ihr Traum. Mit ihrem Freund sitzt sie gemütlich vor dem Panorama der Kuhweide und füttert die zutraulichen Ziegen, die auch hier wohnen und allesamt den Berg heruntergeschossen kamen, als sie uns frühstücken sahen. „Die Gegend ist zwar recht leer, aber so langsam finden sich junge Leute, die Lust haben, was zu machen. Der Hofladen hat schöne Produkte und mein Café öffne ich samstags und sonntags. Damit will ich mich selbständig machen und die ersten Aufträge sind schon richtig gutangelaufen.“

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Ein Haus im Dschungel

Die Geschichte meiner besten Freundin erzähle ich jedem. Sie war schon immer ein Aussteiger und bereits als Jugendliche wollte sie die Welt bereisen und anders leben. Nach vielen Reisen rund um den Globus hat sie sich vor ein paar Jahren im tropischen Regenwald von Malaysia niedergelassen. Das Klima hier fühlt sich an wie eine Dauersauna und die Kulisse des Urwalds mit seinen eigenen Geräuschen Tag und Nacht breitet sich rund um ihr wunderschönes, offenes Dschungelhaus aus.

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„Warum lebst du jetzt ausgerechnet hier, im tropischen Regenwald?“ –

„Ich war auf dem Rückweg von Australien und bin eher zufällig hier gelandet. Nach zwei Umzügen innerhalb der Insel habe ich nun im Dschungel mein Zuhause gefunden. Ich genieße die Ruhe und Abgeschiedenheit, sie hilft mir, meine innere Stimme zu hören.“ –

„Hast du keine Angst?“ –

„Doch. Aber meine beiden Hunde passen gut auf mich auf.“

„Was ist der Preis für ein Leben mitten in der Natur des Südens?“ –

„Meine Freunde vermisse ich schon sehr, die sind nun alle weit weg.“

Weil Vera dieses Paradies gern teilen möchte, lebt sie hier zusammen mit 12 Katzen, zwei Hunden und gelegentlich ein paar Freunden, wie uns. Ihr größtes Geschenk traf zu Weihnachten ein: Papa Albert. Ihn konnte sie schon zu einem Umzug nach Frankreich überreden, wo sie sechs Jahre lang gelebt hat. – „Ich möchte nicht mehr nach Deutschlnd zurück. Ich brauche Wärme, meine Schmerzgrenze liegt bei 15° C. Ich sehe, wie die meisten Europäer ihr Leben führen, acht Stunden arbeiten gehen, nur um ihre Miete, ihr Auto, Versicherungen usw. zu bezahlen. So stelle ich mir mein Leben nicht vor. Malaysia ist ein offenes Land und macht es auch Ausländern einfach, sich hier wohlzufühlen. Die Lebensqualität und Freiheit, die ich hier genieße, könnte ich mir in Deutschland so nicht leisten. Selbst der Straßenverkehr ist hier viel gemütlicher und jeder kann fahren, wie er mag, das gefällt mir.“

Mehr über unsere Zeit auf der malaysischen Insel könnt ihr hier lesen. Auch dort gibt es noch alternativere Wohnformen, wie das Baumhaus dieses Mannes hier. Aus selbst gesammeltem Treibholz hat er sich hier ein ganz besonderes, eigenes Heim geschaffen.

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Aber auch in Deutschland kann man sich total in die Ruhe des Waldes zurückziehen und es gibt mehrere Menschen, die das bereits tun, so z.B. Bernhard, ein Freund meiner Freundin aus Heidelberg. Er hat sich auf dem Waldgrundstück seines Bekannten ein kleines Tipi errichtet, nachdem er sich ein Leben in einer Wohnung nicht mehr vorstellen konnte.

Auf dem Titelbild dieses Artikels sieht man übrigens das Earthship, welches der Fotograf Simon Dale mit nur knapp 4000 Euro für seine Famlie gebaut hat. Mehr über diese unglaubliche Leistung, die Millionen Menschen gerührt hat, kann man hier lesen.

Quellen:

*http://www.wohnung-jetzt.de/service/finanzierung/wohnungen-kaufen-oder-mieten.php

** http://de.statista.com/themen/51/wohnen/

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