Familiäre Dorfidylle – ein Inselleben auf Langkawi

Grün, wohin das Auge reicht. Ich fahre mit dem Fahrrad den schlängelnden Fluss entlang, um mich herum die Berge des Urwalds. Immer mal wieder kommt ein buntes Häuschen oder ein Motorrad braust vorbei, sonst nichts als saftig grüne Pflanzen. Palmen, Fruchtgewächse, Kokosnüsse. Auf dem Fluss ein kleines Fischerboot und Seerosen. Mitten durch das tropische Grün zieht sich der Fluss wie eine Spende des Himmels, eine kühlende Oase.

Im Dorf sind wir die neuen. Wo wir lang laufen, schaut man uns an – freundlich, lächelnd. „Apa khabar!“, rufe ich immer, „Wie geht´s!?“. Uns nennt man hier „Masale“, die Weißen. Aber mit solchen wie uns hat hier wohl keiner gerechnet. Weiße gelten allgemein als wohlhabend, gebildet und höher gestellt. Zur Begrüßung führt man ihre Hand an die eigene Stirn, ein Zeichen von Anerkennung und Respekt, wie es auch den ältesten gebührt. Uns wurde schon zweimal ein Stück Land zum Kauf angeboten, denn unsere Hautfarbe lässt vermuten, dass wir in einem Haus mit Pool wohnen, nur englisch sprechen und hier unsere „holidays“ verbringen.

Als Masale muss man Angst haben, ausgeraubt zu werden – seine Haustür immer abschließen, denn Malaien seien Betrüger, dumm wie Brot… Von solchen Aussagen lassen wir uns nicht irritieren, denn wir erleben das hier gerade ganz anders und haben innerhalb weniger Wochen bereits ein neues Zuhause gefunden.

Unangekündigter Besuch

Unser Haus steht auf einer kleinen Lichtung mitten im Dschungel. Ein bisschen abgelegen, aber mitten in einem der kleinen Dörfer im Norden der Insel. Schon öfter hielt ein Motorrad vor unserem Eingang und jemand stand da, scheinbar wartend, aber seelenruhig in die Ferne schweifend. Über Besuch freue ich mich immer, aber auf meine Frage, ob ich helfen kann, ob man vielleicht auf einen Tee ins Haus kommen mag, ernte ich jedes Mal ein dankendes nein. Ein bisschen seltsam sind diese grundlosen Besuche, aber inzwischen weiß ich sie zu schätzen und muss darüber schmunzeln. Malaien besuchen sich scheinbar gern und brauchen dafür auch keinen Grund. Wer vor unserem Haus anhält, möchte einfach nur mal sehen, wer hier jetzt wohnt und wie das so aussieht. Und wir machen das mittlerweile genauso! Auf der Suche nach anderen Kindern z.B. mussten wir gar nicht lange suchen. „Da, wo ein paar Kinder spielen, halten wir einfach an.“, damit war unser erster Besuch auch schon gelungen.

Am dritten Tag nach unserer Ankunft gab es im Dorf ein riesiges Spektakel. Eine waschechte malayische Hochzeit, zu der wortwörtlich das ganze Dorf antanzt – und wir haben uns, nach guter Tradition, einfach mal selbst eingeladen! Was man in Deutschland niemals machen würde, fand hier größte Entzückung. „Woher seid ihr?“, wollen immer alle wissen und wie lange wir bleiben. Dass wir nun erstmal hier leben, kann sich irgendwie keiner vorstellen. Wir sollen uns endlich hinsetzen und etwas essen! Und weil wir so zaghaft sind, setzt uns eine nette Alte einfach ein paar Teller vor die Nase. Viel Fleisch gibt es hier und Fisch. Seafood. Als Vegan-Vegetarier verzehren wir nur das für uns essbare und nehmen den Rest mit nach Hause. Nicht schlimm, übrigens. Und hat sich wohl auch sofort im Dorf herum gesprochen. „Healthy!“. Vegetarier könnten besser denken und sich Sachen merken. Auf der nächsten Feier, einem Kindergeburtstag (diesmal wurden wir von unserem Weg direkt ins Haus eingeladen), gab es für uns ungefragt nur noch pflanzliche Auswahl.

Immer schön links bleiben

Die Straßen sehen hier irgendwie alle gleich aus. Zwischendrin findet sich immer mal wieder ein kleiner Shop mit Wellblechdach und offenem Eingang. Jemand sitzt am Stand und lächelt friedlich in der Mittagshitze. Alle fahren Motorrad oder Auto. Im Gegensatz zu unserem letzten Besuch vor einem Jahr sehen wir zwischendurch immer mal wieder ein Fahrrad. Das ist bisher das einzige, was mich an dieser Insel wirklich stört, die ganzen Auspuffe und Motoren. Aber Langkawi soll zukünftig eine der zehn grünsten Inseln der Welt werden. Als Archipel bestehend aus 99 Inseln, bedeckt es eine Fläche von 478 km² und erhielt 2007 den Status des World GEOPARK durch die UNESCO, mit einer geologischen Zurückdatierung auf 550 Millionen Jahre. Das malaysische Hawaii, Phuket oder Bali hat längst nicht den Bekanntheitsgrad seiner großen Schwestern. Hier wohnen insgesamt nur 65,000 Menschen. Aber wenn die nun alle mit dem Fahrrad unterwegs wären…

Mit dem Motorrad ist man hier gut unterwegs. An den Linksverkehr gewöhnt man sich schnell, denn viele Regeln gibt es nicht. Niemand fährt schneller als auf der Landstraße, Babies und Kinder sitzen selbstverstädlich mit hinten drauf. Nicht selten sieht man bis zu vier Personen, eine ganze Familie, auf dem Motorrad. Wir machen das einfach auch so, fahren aber gemütliche 30 km/h. Und obwohl wir manchmal fast Schritttempo fahren, macht uns dieses ständige Knattergeräusch nicht glücklich. Wie durch Zufall empfangen wir das Fahrrad eines Weltreisenden. Doch nach zwei schönen Fahrten, gibt auch dieses seinen Geist auf. Seitdem laufen wir. Und was man da nicht alles entdeckt…

Gehen und sprechen

Vor wenigen Wochen fand hier der Iron-Man statt. Ein paar Schlangen weißer „Masale“-Radler mit Helm, ein seltener Anblick. Aber auch über unseren Fußmarsch muss man wohl jedes Mal schmunzeln. Unsere Fahrräder wollten wir nicht mitnehmen auf die Insel und ein Motorgefährdt kommt uns immer noch sehr fremd vor. Aber wir haben Zeit. Entlang der vielen kleinen Kurvenwege treffen wir immer wieder Menschen, mit denen wir unser „Bahasa Malayu“ üben können. Mittlerweile haben wir uns zwei kleine, handgeschriebene Wörterbüchlein von je 28 Seiten angelegt. Man freut sich über unsere Wortfetzen, die uns hier und da immer mal wieder kleine Geschenke einbringen. Das Wort für danke heißt übrigens „terima kasih“ und bedeutet sinngemäß „from my heart to yours“.

Wie lange wir noch bleiben, wissen wir nicht. Unser Terminkalender ist erstmal noch ein Weilchen gefüllt: Hochzeiten, Geburtstage, Wasserfallbesuche und Treffen mit den Dorfkindern, Küchenbesuche in der einheimischen Bäckerei, Dschungelspaziergänge, Reisfeldbesuche, Art & Craft Feste, Musikunterrichtsanfragen, Yoga im Regenwald und nicht zu vergessen: die tollen Nightmärkte!

Die tropische Wärme und die frittierten Bananen wollen wir noch ein bisschen genießen und weiter in uns gehen. Und umringt von so viel Natur können wir uns im Moment auch gar kein anderes Leben mehr vorstellen. Das ewige Grün, die feute Luft, der Fluss und die Reisfelder, selbst die kleinen Minishops am Straßenrand, in denen oft nur ein alter Mann sitzt, der fünf Flaschen verkauft. Die lustigen Dorfbewohner haben ihren ganz eigenen Rhythmus und wir sind irgendwie bereits Teil davon geworden.

2 Kommentare auf “Familiäre Dorfidylle – ein Inselleben auf Langkawi

  1. wie schön, dass sich auf Langkawi so wenig verändert hat. Wir waren 2003 dort, und waren total begeistert. Ich wünsche euch alles Gute und eine wunderbare Zeit.

    1. Oh ja, das sind wir auch! Die Insel hat schon mehrere Vorteile, besonders für Familien… 😉 Aber das haben wohl auch noch andere erkannt. Ich kenne sie ja nur seit letztem Jahr, aber seitdem wird auch wohl noch mehr gebaut.

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