Leben und arbeiten im Wald: warum es mich gerade sehr stark dorthin zieht

Ich will gar nicht viel drumrum schreiben. Ich muss es nur mal kurz rauslassen und hoffe, dass es viele von euch inspiriert, dass es euch etwas Positives bringt! Denn mir hilft es in letzter Zeit sehr, sogar viel mehr noch als früher, einfach nur im Wald zu sein. Letzten Winter haben wir in Deutschland verbracht und ich bin September bis Dezember fast jeden Tag mit dem Fahrrad zum Wald gefahren (wir wohnen mittlerweile in Heidelberg und diese Stadt ist umrundet von Bergen und über die Maßen viel Grün), den Berg hochgelaufen und habe geatmet, tief eingeatmet, geschnuppert, geschaut, gestaunt, Fotos gemacht, ich in aller Ruhe auf hübsche und noch hübschere Baumstümpfe gesetzt, meditiert, Menschen getroffen, Vögeln und allen möglichen Waldgeräuschen gelauscht, …

Und jetzt im Frühling, ja Sommer, ist es noch besser. Ob es gerade geregnet hat oder warm oder heiß ist – die Stimmung und das Klima im Wald sind einfach unübertroffen, ich bin einfach so richtig happy darüber und freue mich so sehr, dass es das gibt. So simpel und schlicht das ist, Wald! Früher, als wir noch nicht hier gewohnt haben, bin ich oft schon immer ganz bewusst ins Grüne gefahren. Und auf unserer Fahrradtour sind wir teilweise tagelang nur Strecken am Waldrand entlang geradelt. Doch jetzt ist die Anziehungskraft, die vom Wald ausgeht, noch stärker geworden. Ich arbeite sogar dort! Ich nehme meine Tasche mit allem, was ich brauche und arbeite alles, was ich offline machen kann, im Wald.

kleines Waldtipi, im Winter gebaut

Wir haben einen ganz besonderen Kinderarzt. Vor wenigen Wochen rief ich ihn an, weil unsere Tochter am Fuß eine Warze hatte, die sich in kurzer Zeit stark vergrößerte und auch schmerzte. Den nächsten freien Termin hatte er laut Aussagen seiner Assistentin am Telefon erst im November. Er lies aber ausrichten, ich solle neben einer bestimmten Sorte Globuli auch in den Wald gehen und dort Schildkraut sammeln. Ich solle das Kraut frisch pflücken und den gelben Saft des Stängels auf die Warze pinseln. Da Schildkraut viele Namen hat, wusste ich nicht gleich Bescheid. Letztendlich habe ich es gefunden und genauso gemacht – die Warze ist dann auf einem Kindergeburtstag einfach abgefallen. Was für ein Wunder!

Der Wald bietet alles, was man braucht. Schon als Kind habe ich unsere Pilzsammelaktionen mit unserer Oma geliebt. Sie kannte alle Pilze und weiß sonst über jegliche Pflanzen, deren Wirkung und Verwendung Bescheid. Und auch außerhalb des Waldes gibt es so viele Kräuter- und Heilpflanzenführungen, für die man sich anmelden kann – so gern würde ich irgendwann über einfach alles, was da so wächst, etwas wissen. Und Spuren lesen können, nicht nur die der Tiere, sondern generell.

Vielleicht kennt ihr die Bücher von Anastasia, Tochter der Taiga von Wladimir Megre. Ausnahmslos jeder, dem ich sie irgendwie mal empfohlen habe, war danach ganz begeistert (im Internt kann man sie auch kostenlos lesen). Und ja, so stelle ich mir es vor, zu leben. Barfuß, verbunden mit Erde, Boden, Luft, Pflanzen, Bäumen und Tieren. Zwar könnte ich niemals einfach isoliert im Wald leben. Doch anstatt Wohnraum in der Stadt oder auf dem Land zu haben, wäre ich überglücklich, in so einem gemütlichen Baumhaus zu wohnen. Es gibt sogar Menschen, die da die tollsten Kreationen erfinden und bauen, im Internet findet man sie, so wie diese hier:

Bild von dirty blonde design

Es müsste für mich persönlich ehrlich gesagt schon trocken sein und auch gemütlich in dem Sinne, dass ich da ein Bett mit Baumwollbettwäsche, einen kleinen Azteken-Ofen und meine persönlichen Sachen hätte. Aber ja, so könnte ich leben. Ein kleines Solarpanel fürs Telefon und Internet wären natürlich toll. Und natürlich wäre das generell nur mein Wohn- bzw. Rückzugsort. Und ja, arbeiten, meiner selbständigen Tätigkeit nachgehen, würde ich von dort auch. Doch der Rest meines Lebens würde sich schon noch hier, im “kulturellen Zentrum” abspielen.

Emily, meine Freundin, nimmt sich jedes Jahr einmal Zeit und läuft um den Genfer See herum und zeltet dabei im Wald – allein. Als Frau. Soetwas habe ich mir bisher ehrlich gesagt noch nicht getraut, obwohl ich selbst auf unserer Fahrradtour mit Manou schon abgelegen wild gecampt habe. Doch Emily spricht darüber ganz ruhig. Sie ist der Meinung, dass es allein im Wald noch wesentlich ungefährlicher bzw. sicherer wäre, als z.B. in der Stadt oder auf einem Campingplatz. Sie sagt, dass überall da, wo Menschen seien, somit u.U. gleichzeitig auch Verrückte wären. Im Wald seien nur die Tiere und von denen käme keins auf die Idee, grundlos einen Menschen anzugreifen. Allerdings müsse man sich erst daran gewöhnen, denn am Anfang schreckt man ja noch vor jedem unbekannten Geräusch zurück. Und da gebe ich ihr Recht. Ich erinnere mich an meine Fahrradreise mit 14 Jahren, als ich zusammen mit meiner Freundin Mimi direkt am Waldrand auf dem Feld gezeltet habe. Was haben wir uns zu Tode erschreckt, als in der Nacht scheinbar ewig irgendetwas Schleifendes um unser Zelt gestrichen ist. Warscheinlich war es eine Natter oder irgendetwas anderes, doch das Geräusch war so furchterregend, dass wir schließlich einfach beschlossen, auf der Stelle einzuschlafen, damit wir nichts mehr davon mitbekommen…

Seit Neuestem habe ich zwei Ideen und fände es toll, wenn es sie gäbe (vielleicht will sie ja irgendjemand von euch umsetzen!?): Wald-Coachings und Digital Coworking Spaces bzw. Coworking im Wald (ich bin sicher, dass es die Möglichkeit schon gibt, Internet auch im Wald anzuzapfen)! Was ich kenne, sind Barfuß-Wanderungen, Wald (und survival) Camps und Breath-Walking (ok, für meinen Geschmack ist das echt lustig, aber immerhin, es hat zum Ziel, dass mehr Menschen durch den Wald laufen und bewusst atmen!).

Manou und unser morgendliches Waschritual im malaysischen Wald

Das Baumhoroskop der Kelten hat mich, seit ich es entdeckt habe, übrigens sehr fasziniert und bisher habe ich jedem, der uns besucht hat (wir bekommen viiiiiel Besuch!), seine Beschreibung gezeit: sehr wundervoll.

Manou besucht übrigens zwei Vormittage in der Woche einen Waldkindergarten (sie ist ein Einzelkind und wir haben bis jetzt komplett kindergartenfrei gelebt). Nun, mit fast fünf Jahren, wollte sie anfangs zwar überhaupt nicht dorthin (was ich respektiert habe), doch da ihre beiden Lieblingsfreunde, die deutsch-englischen Zwillinge, deren Eltern auf tiny houses sparen, an drei Vormittagen kommen möchten, fängt auch sie an, öfter davon zu erzählen und sich da wohl zu fühlen. In Heidelberg gibt es zwei Waldkindergärten. In unserem sind die Kinder mitten im Wald, es gibt keinen Zaun oder sonst irgendeine Begrenzung drum herum. Die Kinder spielen frei und machen gelegentlich Wanderungen und kleinere Ausflüge, haben Werkzeug und Schnitzmaterial oder können etwas basteln. Es gibt einen Bauwagen aus Holz, Sitzgruppen aus Baumstümpfen, einen veganen Erzieher, der eigentlich Mechaniker ist und man kann erst 9 Uhr dort erscheinen und sein Kind 12.30 Uhr wieder abholen. Es gleicht vielmehr einer Waldspielgruppe, als einem typischen Kindergarten und ich finde, dass es diese Form des Zusammentreffens für Kinder und Erwachsene überall geben müsste.

Dabei fällt mir noch ein, dass ich eine Zeit lang mal überlegt habe, in Wald bzw. Holz zu investieren. Es gibt sogar eine Aktion eines Unternehmens, bei der man einen Baum “geschenkt” bekommt (an diesen widerum könnte man so gesehen sein Baumhaus bauen). Auch Waldgenossenschaften gibt es. Und dass ich einen guten Bekannten habe, der wirklich im Wald wohnt und lebt. Dirk hat vor wenigen Jahren beschlossen, dass er seine Wohnung in der Stadt aufgeben möchte, weil er es außerdem verrückt findet, dass man Miete, also “Parkgebühr”, für Möbel und Zeugs bezahlt, was letztendlich doch nur herumsteht. Und sich ein Erdhaus auf einem Grundstück, dass seinem Freund gehört, gebaut. Der Besuch bei ihm war einmalig. Doch davon erzähle ich euch noch einmal im Detail, in einem nächsten Bericht.

 

 

Ein Kommentar auf “Leben und arbeiten im Wald: warum es mich gerade sehr stark dorthin zieht

  1. Ich kenne es als “Schöllkraut” und habe damit schon viele Warzen abfallen lassen. Wirklich ziemlich mysteriös…
    Und die Vögel im Wald…
    Ich weiß aber nicht, ob ich im Wald arbeiten könnte. Für mich passt das einfach nicht zusammen. Liebe Arbeiten und zwischendurch barfuss im Wald spazieren gehen…

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