Lebendig, faszinierend, heilsam und wunderschön: meine erste Wildkräuterführung

Frisch, frischer, am frischesten – frischer geht´s nicht, nein, auch nicht für einen Bericht. Denn ich komme gerade von meiner ersten Wildkräuterführung und bin einfach nur hingerissen, weshalb ich mich gerade gar nicht halten kann und versuchen möchte, meine Impressionen und Glücksgefühle dazu noch so frisch wie möglich für euch aufzuschreiben, bevor sie wieder verfliegen, denn: es war einfach so besonders, ihr müsst das mal machen!

Wir wohnen, für ost-, mittel- und norddeutsche Verhältnisse, schon recht nah an der französischen Grenze und ich hatte mir immer mal wieder die Wildkräuterführungen in Wissembourg vorgemerkt – war aber dann doch nie da. Und nachdem ich dann gestern, auf einer kleinen Nachhaltigkeitsmesse im Freien, die wunderbare Doro und ihre Familie mit Kindern (die mit einer unglaublichen Liebe und Hingabe frische Wildkräutersmoothies, Pflanzenrätsel und Pralinen gemacht haben) kennenlernen durfte, musste ich mich heute morgen dann doch noch ganz schnell – obwohl bis zum Letzten ausgeschlafen und ungewaschen – aufs Fahrrad schwingen und mir mal anschauen, was sie da eigentlich mit ihren kleinen Gruppen so veranstaltet.

Nebenbei verspeise ich übrigens gerade meinen frisch gepflückten Wildkräutersalat aus dem Wald und finde das so unglaublich schön, lecker, toll und neu – dass ich jetzt beschlossen habe, keinen Salat mehr zu kaufen. Aber gleich mehr dazu…

Wir starten also mit einer kleinen Einführungsrunde, in der wir kurz erfahren, dass Doro früher einmal Lehrerin war und diesen Job ethisch, seelisch und moralisch einfach nicht mehr ausgehalten und geschmissen hat. Ihr Liebe zu Pflanzen und Kräutern begann schon im Kindesalter mit der Frankfurter Grünen Soße und schließlich hat sie einfach ihren Weg über verschiedene Ausbildungen und Inspirationsquellen so weit gefunden, dass sie nun im Rahmen eines Vereins diese tollen Führungen und Workshops anbietet, das schöne Programm und ihre wunderbaren Texte dazu findet man auf der Website Instinktbasierte Ernährung.

Wir haben heute ungefähr 25 verschiedene Pflanzen/ Kräuter kennengelernt.

 

Mehr als die Hälfte davon kannte ich schon und trotzdem habe ich all diese Pflanzen heute zum ersten Mal so richtig erfahren. Ich komme aus einer Familie, wo viel selbst gemacht wird, was auf meine Oma zurückgeht, die mit ihren 80 Jahren bei uns mehr oder weniger das Zentrum der Familie bildet, weil sie von allen die meisten Kinder groß gezogen hat und als kleines Mädchen den Krieg miterlebte. Sie muss früher sehr arm gewesen sein und ich bin es von Haus aus gewöhnt, dass man alles, was man irgendwie benötigt, selber machen kann. Oma kannte sich schon immer gut mit Pflanzen aus und kann aus allem, was sie findet, irgendetwas herstellen. Das habe ich also von ihr geerbt. Trotzdem ist es so, dass ich als Kind, z.B. von ihrem Pflanzenwissen, nicht wirklich etwas mitbekommen habe, warscheinlich hat es mich einfach nicht so interessiert. Und dadurch kommt es auch erst jetzt, dass ich mich so sehr dafür begeistere und noch einmal neu lernen muss, was die Natur eigentlich so alles zu bieten hat. Neu ist für mich, dass ich besser weiß, wo genau etwas wächst, wie man Ähnliches unterscheiden kann und die vielen kleinen Anekdoten und Hintergrunderzählungen von Doro persönlich, die diese Wildkräuterführung erst so richtig beleben. Natürlich riechen, fühlen und probieren wir alles. (Teilweise auch mal ein giftiges Maiglöckchenblatt, daher unterschrieben wir zu Beginn der Wanderung einen kleinen Zettel, dass wir dies alles auf eigene Verantwortung tun..)

Darf ich also vorstellen…

Storchschnabel. Ob Blatt, blüte oder Schnabel, es ist essbar!

Brennnessel. Mit der Haarwuchsrichtung vorsichtig abtrennen, knüllen, essen.

Zitronenmelisse. Fällt zwischen den Brennnesselblättern fast gar nicht auf…

Knoblauchrauke. Riecht wunderbar und erinnert mit ihrem Duft an Bärlauch, wobei sie…

… auch so aussehen kann.

Gundermann. Gestern noch als schöne essbare Tischdekoration gesehen.

Nelkenwurz

Fünffingerkraut

Giersch (daraus macht meine Mama ein leckeres Pesto!)

Klettenkraut. Klebt überall fest!

Rote Lichtnelke, köstlich! (gibt´s auch noch in weiß)

Holunder. Die tollen Pfannkuchen damit hatte ich schon fast vergessen!

Schöllkraut. Hat noch viele andere Namen und hat ganz aktuell die Warze unserer Tochter verschwinden lassen!

Bärlauch. Man kann ihn ganz einfach von Maiglöckchen unterscheiden: dreikantiger Stiel, Blätter kommen einzeln aus der Erde, Blattunterseite ist matt und die Blattader “zerknackt” beim Zusammenrollen…

Die Knospen sind recht scharf und werden mein neues “Obendrübergewürz”!

Springkraut

Teufelskralle. Hat unterhalb schöne Herzblätter und ist wohl vom Aussterben bedroht…

Zaunwicke

Sauerklee

… und seine leckeren Blüten

Buchenblätter schmecken (jetzt gerade aber leider nicht mehr) wohl sehr zitronig

Ein Blatt Weißdorn am Tag und man hätte nie Probleme mit dem Herzen…

Sauerampfer (heißt in Schweden aufgrund der Blätterform: Froschschenkel)

Schafgarbe

Melde. Die weißen Stauden sind wohl sehr bitter, doch die wuchernden, leicht nussigen Blätter sind ab jetzt mein neuer Salat!

Pimpinelle (grüne Soße!)

Während wir so durch den Wald laufen und all die verschiedenen Pflanzen aus der Nähe betrachten, spüre ich wieder diesen unglaublichen Reichtum, diese absolute Schönheit und Liebe, die uns geschenkt wurde und in welcher wir hier auf Erden einfach leben und sein dürfen. Ich finde es unglaublich und es macht mich so glücklich, dass wir einfach nur in den Wald oder auf ein Feld laufen brauchen, um dort eigentlich alles zu finden, was wir benötigen. All diese Pflanzen, sie schmecken so köstlich! Und noch dazu so unterschiedlich. Doro gibt uns Tipps für neue Lieblingsrezepte und erzählt uns so viel über die Intelligenz der Pflanzen – ein Wunder. Etwa in der Mitte der Wanderung halten wir an, bewusst inne, schließen unsere Augen und danken. Lauschen, fühlen und sind einfach nur inmitten.

Durch diesen schlichten Spaziergang heute (und ich selbst verbringe schon etwa 80% meiner Zeit draußen) wurde ich irgendwie, irgendwo geheilt. Nicht umsonst heißt es ja auch Heilkräuter😉

Für Einsteiger empfiehlt sie übrigens das Buch Essbare Wildpflanzen von den Autoren Fleischhauer, Guthmann und Spiegelberger, da dieses nicht nach Blütenfarben sortiert (denn viele Wildkräuter blühen nur kurzzeitig), sondern sich am Blätteraussehen orientiert. 200 Sorten werden hier beschrieben!

Nachdem auch ich mich nun seit Jahren vegan ernähre, komme ich wie Doro zu dem Schluss, dass ich es mit dem Veganismus nicht mehr so streng nehmen möchte. Denn vielmehr geht es doch darum, dass alles ein Kreislauf ist und ohne unser menschliches Zutun bereits so im Gleichgewicht, dass wir uns dem einfach anpassen, ja, uns nur richtig einfühlen und da “mitmachen” müssen. Ich bin absolut für die Abschaffung der Massentierhaltung und dieses riesigen Leides! Und ich werde und möchte nach wie vor auch keine Eier, keine tierischen Milchprodukte und sonstiges verzehren. Doch diese viel angepriesene vegane Produktpalette ist für mich auch kein Ersatz für das, was wirklich glücklich macht. Wir brauchen so viel weniger, als wir denken. Überhaupt ist eigentlich alles schon vorhanden. Und zu lernen, wieder ganz einfach und natürlich damit umzugehen, ist für mich gerade der größte Schatz neben meinem Kind.

Im Übrigen verputze ich beim Schreiben dieses Artikels, genau jetzt in diesem Moment, das Ergebnis meiner heutigen Sammlung…

Zum Abschluss noch ein paar schöne Sachen, in die ihr mal reinschauen könnt, die gerade gut zum Thema passen:

Sonja Watt – Glücklich leben durch natürliche Lebensweise

Louise L. Hey – Ernährung für Körper und Seele, Gesund essen mit guten Gedanken

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Ein Kommentar auf “Lebendig, faszinierend, heilsam und wunderschön: meine erste Wildkräuterführung

  1. Beneide euch in DE…. Hier hörts auf mit Wildkräutern. Hier wird grad alles dürr und braun vor Trockenheit und Sonne…
    Liebe Grüße aus z.Zt. Andalusien.

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