Mit dem Fahrrad bis nach Ibiza? Ein Selbstversuch

In meinem Artikel Mit Kindern im Süden überwintern – aber wie? habe ich euch ja schon von meinem Wunsch erzählt, die kalte Jahreszeit einmal woanders zu verbringen. Meine Oma weiß das längst, denn schon als Kind habe ich ihr in den Ohren gelegen mit: “Wenn ich groß bin, ziehe ich mal in den Süden!”. Gerade habe ich ein paar interessante Bücher über Radfahrende gelesen, die genau das schon zu ihrem Lebensstil gemacht haben. Ein Buch von Tilmann Waldthaler hat mich da besonders angesteckt und seitdem lässt auch mich dieser Gedanke nicht mehr los. Aber zum Fahrradfahren kommt hier demnächst noch einiges…

Seit ein paar Wochen habe ich eine grobe Strecke im Kopf und der Plan dazu formt sich immer mehr: mit dem Fahrrad bis nach Ibiza! Klingt verrückt? Dann lest hier einfach, wie genau ich mir das vorstelle und was ich mir dabei gedacht habe! Denn immerhin ist Zwerggeflüster ein Blog für alle Eltern, Andersdenkende und Individualisten und soll in erster Linie euch mit neuen und tollen Infos etwas nützliches bieten. Aber von vorn…

Die Sache mit den Flugzeugen

Ich weiß nicht, wie oft ich in meinem Leben geflogen bin. Viel. Zummindest kann ich es nicht mehr zählen. Ich mochte das immer sehr und habe mich jedes Mal darauf gefreut! Der atemberaubende Blick über die Wolken, die Sonnenauf- und -untergänge. Sobald ich an Bord saß, wurde mir dieser ganze Wahnsinn bewusst, wie es möglich ist, so viele Tonnen in die Luft zu heben und über hunderte Kilometer hinweg einfach so schweben zu lassen. Ich mag die Stewardessen und das ganze Flair – schon das Treiben am Flughafen brachte mich jedes Mal in Hochstimmung!

Aber irgendwie… kriegen mich gerade keine zehn Pferde in ein Flugzeug. Die letzten Berichte über Flugzeugabstürze haben sich mir so eingebrannt, dass ich beschlossen habe, erstmal ein bisschen Pause zu machen. Ich möchte noch eine andere Form des Reisens finden und mal die nähere Umgebung erkunden. Doch was bietet sich da an?

Eine Fahrradtour

Nachdem ich nun mehrfach gelesen habe, was mit so einem kleinen Drahtesel alles möglich ist und welche entferntesten Ecken Menschen bereits damit bereist und erkundet haben, möchte ich das jetzt selbst auch ausprobieren! Ganz neu ist das für mich nicht. Meine erste richtige Fahrradtour habe ich mit 15 gemacht. Zusammen mit meiner Freundin Mimi bin ich von Passau nach Wien geradelt. Ein Jahr später ging es durch die Normandie und dann folgte noch eine kleinere Tour durch Sachsen und Thüringen. Was jetzt aber wirklich anders ist: ich reise mit meiner Tochter. Dieses Mal werde ich also ein bisschen anders vorsorgen. Allgemein an mehr denken, mehr Gepäck haben – ich möchte mich schlicht gut vorbereitet fühlen!

 Die Strecke

Was ich in Europa ganz toll finde, ist, dass sich der Jakobsweg wie ein riesiges Netz durch die weite Landschaft zieht. Egal, aus welcher Richtung man kommt, man kann fast in jedem Land starten. Ich selber bin zwar noch nie den Jakobsweg gelaufen oder gefahren, habe aber immer wieder gelesen und mir sagen lassen, dass die Wege unglaublich gut ausgebaut seien. Meine Wunschstrecke würde uns auf diesem Weg durch Frankreich, vorbei an den Pyrenäenausläufern durch Nordspanien bis nach Portugal führen. Sollten wir überhaupt so lange durchhalten und noch in guter körperlicher Verfassung sein, könnten wir sogar noch weiter durch Portugal hindurch und um die iberische Halbinsel herum bis nach Alicante, von wo die Fähre in zwei Stunden nach Ibiza schaukelt. Das wäre auf jeden Fall ein schöner, monatelanger Küstenstreckenabschnitt, doch auch der Inlandsweg ist denkbar. Wie lange wir für die Tour dann wirklich brauchen, lässt sich schlecht vorhersagen. Bis nach Portugal sind es etwa 2000 km. Wir haben keine Eile, keine Termine, keine festgesteckten Ziele. Und wir werden uns deshalb alle Zeit der Welt lassen und uns vor allem ganz nach den Bedürfnissen unserer Tochter richten.

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Unterkunft/ Verpflegung

Wenn man sich immer entlang des heiligen Weges hält, hat man, soweit es in den Reiseführern beschrieben ist, natürlich auch die Möglichkeit, in den ausgewiesenen Pilgerherbergen zu übernachten. Dabei gibt es ein paar Dinge zu beachten, z.B. dass man in der Hochsaison aufgrund des hohen Aufkommens schon recht früh an der jeweiligen Unterkunft sein soll. Dass Fußpilger das Vorrecht haben und man die meisten Herbergen bis acht oder neun Uhr morgens verlassen haben muss. Dafür hat man den Vorteil, dass man hierdurch immer eine Bleibe finden kann und selten mehr als einen Spendenbeitrag entrichtet.

Natürlich nehmen wir aber auch ein Zelt mit. So haben wir unsere Unterkunft immer dabei und könnenn so, sollte sich einmal nichts ergeben, einfach auf dem nächsten Campingplatz schlafen.

Was die Verpflegung betrifft, haben wir in Europa ja großes Glück. Da wir uns auf dem Festland aufhalten und immer wieder kleinere Orte durchfahren, besteht also überall die Möglichkeit, etwas zu essen oder einzukaufen, easy.

Die Ausrüstung

Jetzt wird es schon interessanter. Was brauchen wir überhaupt für so eine Reise? Neben allem, was ich bereits bedenke – Schlafsäcke, Isomatten, ein Zelt, Reiseapotheke, Bekleidung, Werkzeug, persönliche Dinge und Dokumente – fehlt uns aber noch das allerwichtigste: ein gutes Fahrrad mit Anhänger und Kindersitz! Ohne das kann so eine Reise natürlich gar nicht statt finden. Mein eigenes Fahrrad ist dafür, nach einem professionellen Fahrrad-Check, nicht geeignet. Und da ich mich sowieso auf diverse mögliche Reiseunterbrechungen und Zwischenhalte einstelle, möchte ich gern, dass sie zummindest nicht einer schlechten technischen Ausrüstung geschadet sind. Mein erster Gedanke dazu war deshalb vor ein paar Wochen: wir brauchen einen Sponsor. Jemand, der sich mit so etwas auskennt, weiß, worauf man achten muss und uns vielleicht auch noch ein paar Tipps geben kann. Mein zweiter Gedanke: ganz in der Nähe von uns hat gerade ein großes Sportgeschäft eröffnet, an dem ich immer, wenn wir zu unserem Lieblingsspielplatz wollen, vorbei fahre… Ich schrieb also eine E-Mail und erhielt keine zehn Minuten später einen Rückruf! Keine Zusage, aber ein Feedback auf meine Anfrage und eine Einladung zu einem Treffen. WOW! So viel Offenheit und Interesse hätte ich nicht erwartet, nicht so schnell, nicht beim ersten Versuch. Deshalb bin ich nun voller Spannung und Vorfreude, ob sich daraus eine Reisepartnerschaft entwickelt und werde hier natürlich weiter davon berichten.

Wer darüber hinaus schon immer mal den Jakobsweg bewandern wollte, findet alle Infos dazu auf der Seite der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft.

Was mich nun aber sehr interessiert: wer von euch hat schon einmal so eine längere Fahrradreise mit Kindern gemacht? Habt ihr Tipps oder Ratschläge, die ihr uns mit auf den Weg geben könnt? Dann rein damit in die Kommentare, wir sind schon gespannt!

 

4 Kommentare auf “Mit dem Fahrrad bis nach Ibiza? Ein Selbstversuch

  1. Hallo,

    ja, ich bin mit meinen beiden Kindern schon den Weg von Würzburg bis Santiago von 2011-2014 geradelt.

    Herzliche Grüße
    Ursula

    1. Hallo Ursula,
      wow, Ursula, RESPEKT!!! Und deine Zeitangabe finde ich auch sehr realistisch, ich merke es schon mit nur einem Kind… 🙂 Wir müssen schnattern, ich freu´mich schon!! Liebe Grüße und schön, dass du hierher gefunden hast

  2. Hi,

    stieß gerade beim Stöbern im Netz auf diesen Artikel. Ist zwar schon ein paar Tage alt, die Veröffentlichung, aber sofern noch aktuell, schau mal nach unter http://www.dirk-prueter.de/tour2013. Die Strecke dürfte sich zumindest in einigen Abschnitten mit dem decken, was du dir vorstellst. Im Wesentlichen kann ich aber nur sagen – rauf auf’s Rad und los geht’s!
    Bin mittlerweile ziemlich infiziert von dieser Form des Reisens, und der nächste Trip sollte nicht mehr all zu lange auf sich warten lassen. Falls es bei dir noch ein wenig dauert – vielleicht kann dir ein Blick auf http://www.dirk-prueter.de/tour2016 helfen, das Verlangen aufrecht zu erhalten (Seite sollte sich spätestens ab 1.5. mit Inhalten füllen, Einleitendes aber schon vorher) 🙂

    1. hi dirk, danke für deinen supertipp, ich werde mir das unbedingt ansehen alles, sobald ich wieder internet habe. unser trip hat sich mittlerweile ganz anders entwickelt, aber ich möchte schon gern wieder rad fahren in zukunft 🙂 dein vorhaben klingt spannend, ich werde es verfolgen! viele grüße, louise

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