Reisen ohne Kosten! Workaway mit Kind oder: Permakultur in Südwestfrankreich

Angekommen in Südwestfrankreich

Workaway wollte ich schon immer mal ausprobieren! Und nun bot sich endlich die perfekte Gelegenheit dazu. Nachdem wir Ende August auf eine Langzeitreise mit dem Fahrrad gestartet sind, hatten wir nach wochenlangem treten und draußen schlafen einfach das Bedürfnis nach einer Pause. Was für ein Glück, dass genau in diesem Moment eine ganz schnelle Zusage von einem Permakulturhof in Südwestfrankreich kam, der ACOUCOULA-FARM! Hier sind wir nun schon seit drei Wochen. Integriert in eine große Familie leben und arbeiten wir zusammen mit anderen workawayern unweit des atlantischen Ozeans. Das Programm ist bunt. Neben Gartenarbeit, und Kartoffelernte lernen wir französische Traditionsrezepte, Kung Fu und eine andere Sprache. Das schönste aber ist: unser Kind kann einfach mit dabei sein, jeden Tag Tiere streicheln und ein Landleben wie aus dem Bilderbuch genießen! Für uns ist das eine Zeit völlig neuer Erfahrungen, Impulse und Denkanstöße. Und eigentlich wollen wir auch gar nicht mehr weg von hier…

Reisen und arbeiten im Ausland – als ganze Familie

Workaway ist eine Reiseform wie Work and Travel. Hierbei kannst du im Prinzip jedes Land bereisen und dort in Projekten oder Familien helfen. Für maximal fünf Stunden Mithilfe pro Tag erhältst du Unterkunft und Verpflegung, kostenlos. Die Tätigkeiten sind verschieden und je nach deinen Wünschen gibt es ganz unterschiedliche, individuelle Angebote von Gastgebern. Ob Mitarbeit in einem Kaffeeshop oder Yoga am Meer, Farmarbeit oder Kinderbetreuung, Arbeit mit Tieren oder Ökohausbau, es ist scheinbar alles vorhanden. Für uns ist es derzeit eine tolle Möglichkeit des Sprach- und Kulturaustauschs, wir sammeln neue Erfahrungen und eignen uns Kenntnisse in anderen Bereichen an! Die perfekte Möglichkeit, um individuell, alternativ und kostengünstig zu reisen, als Familie oder allein. Während einem Workaway-Aufenthalt habt ihr keine Kosten und lernt zu 100% dazu. Es ist für jeden immer möglich (keine Altersbeschränkung), an jedem Fleck der Erde.

Was ist eigentlich Permakultur? Workaway mit Kind in Südwestfrankreich

Permakultur ist ein Ansatz für einen nachhaltigen Lebensstil. Permakultur ist überall möglich, in allen Klimazonen, ob Stadt oder Land. Es eht darum, die Erde fürsorglich zu behandeln, die biologische Vielfalt und Umwelt zu erhalten. Geschädigte und degradierte Flächen sollen wiederhergestellt, die Grenzen des Wachstums und Verbrauchs erkannt und genutzt werden. Permakultur ist eine Philosophie und ein Weg ganzheitlichen Lebens. Sie enthält eine große Anzahl von Ideen, Methoden und Techniken, die viele Disziplinen kennzeichnen. Sie stützt sich auf uraltes Wissen, Methoden der traditionellen Landwirtschaft, aber auch auf die neuesten wissenschaftlichen Forschungen und moderne Technologien. Nicht nur die Grundbedürfnisse der Menschen werden von diesem System erfüllt, sondern alle Beteiligten berücksichtigt und eingesehen. Es erstellt essbare Ökosysteme, die selbst seit Jahrtausenden auf der Erde vorhanden sind.

Permakultur ist keine Revolution, es ist die Evolution.

Die Acoucoula Farm

Mich faszinieren Geschichten von Menschen, Erlebnisse, Biografien! Und deshalb erzähle ich hier mal in kürze von der Familie, auf deren Farm wir uns gerade befinden. Deren Story ist nämlich ganz interessant…

Chris ist Franzose, Mona kommt aus Norwegen. Nach einem Leben im Wohnwagen und vielen Reisen  haben beide nun ein kleines Kind und leben zu dritt in einer Jurte, einem Nomadenzelt. Um diese herum befindet sich ein großes Stückchen Land, dass seit wenigen Jahren zu einem Garten, einer Art Schlaraffenland der Natur, angelegt wird. Die beiden haben sich in Mexiko kennengelernt – das war gerade das Ende einer siebenjährigen Fahrradweltreise von Chris. Chris´ Mutter, „La Máma“, hält den ganzen Hof in Schwung, kocht für die Gäste und kümmert sich um ihr Enkelkind. Und auf der Farm herrscht mittlerweile ein buntes Treiben. Nicht nur wir sind hier, auch andere Helfer, Urlaubsgäste, Freunde und Familie.

Ein Rundgang über den Hof

Der Gemüsegarten. Übergroße Pflanzen wie Melonen, Kürbisse, Sonnenblumen, Salat und Amaranth. Eine Fülle an Reichtum in einer herrlichen Farbenpracht. Hier kommen weder Maschinen noch Chemikalien zum Einsatz. Alles wird von Hand gemacht, Pflege und Fürsorge mit ganzer Hingabe.

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Das Gästehaus bzw. die chambres d’hotes.

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Unsere neuen Mibewohner: allen voran Mila, das Schwein.

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Eine sogenannte „dry toilet“ oder Komposttoilette. Sie funktioniert ohne Wasser und das innere wird später wieder zu Erde (Entsorgung in der Natur). Einfach zu bauen, ökologisch, nachhaltig, praktisch!

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Kompost und -trennung. Alles wird verwertet und kann so wieder in den Kreislauf eingehen.

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Ein selbstgebauter Kinderspielplatz.

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Was man nicht alles selbst herstellen kann! Gläser werden gesammelt, für einen Vorrat an Eingemachtem.

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Auch alles andere kann man selbst machen, z.B. aus Europaletten.

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Beete können alle möglichen Formen haben!

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Mulch auf Beeten und Wegen: altes Unkraut und abgestorbene Pflanzen dienen der Erde als Wärmedecke und liefern wertvolle Mineralien.

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Dankbar für den Regen: Wasserauffangsysteme finden sich rund um den Hof.

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Setzlingstation: Jungpflanzen und Keimlinge werden hier in kleinen Töpfchen gegossen und gepflegt, bis sie schließlich ins Freie gepflanzt werden können. Vieles kommt übrigens vom Müll und wird auf diese Weise wieder aufgepeppelt.

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Alles braucht seine Zeit: hier entsteht einmal ein essbarer Wald…

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Behausungen mal anders: Jourte, Wohnwagen und Katzenhotel

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Leben auf der Farm

Ein Workaway-Aufenthalt wird nicht langweilig! Zummindest für uns bisher. Neben den regulären, fairen, Arbeitszeiten, gibt es noch viel zu tun und zu entdecken, wenn man mag. Wir fanden es besonders aufregend, jeden von uns als „Spezialisten“ einer bestimmten Sache zu erleben! So konnten wir z.B. Laura über die Schulter schauen, während eine französische Spezialität entstand: Crêpes, Mousse au chocolat oder Tarte aux pommes! Mona backte mit uns herrliche Rosinenschokobrötchen und Zimtschnecken nach norwegischer Art. Camillo aus New Mexiko schenkte uns ein paar unglaubliche Kung Fu-Stunden und Hanna, seine Freundin, bot uns eine professionelle Bauchtanz-Performance. Und wir? Trugen dann und wann mit einer kleinen musikalischen Runde und Yogastunden bei. Für die Kinder scheint es hier aber genauso aufregend zu sein, besonders, wenn alle zusammen etwas unternehmen: Pilze sammeln im Wald, Maronen auflesen, ein Apfelfest (Fetes du les pommes) mit Apfelkuchenwettbewerb nach französischer Art, Theater, Kochabende in der Jurte mit kulinarischen Verköstigungen, lustige Spieleabende und Ausflüge ans Meer.

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Was gibt´s hier zu tun? – Arbeiten auf Acoucoula

– Gartenarbeit (mulchen, Beete anlegen, anpflanzen, Unkraut jäten, Saatgut herstellen …)

– Ernte: Obst, Gemüse, Früchte, Kräuter (Beeren sammeln, Kräuter pflücken und trocknen, …)

– Gästehaus (Zimmer reinigen und pflegen)

– Küchenarbeit und Mithilfe im Haushalt (kehren, kochen, Wäsche aufhängen, Müll entsorgen)

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Wie lange wir hier noch bleiben, wissen wir nicht. Aber: wir sind begeistert von unserem Aufenthalt  und können euch so eine Erfahrung nur empfehlen!!!

Hat dir der Artikel gefallen? Dann lade ich dich herzlich ein, mein Buch zu unterstützen. Darin teile ich mit dir noch viele weitere interessante Erfahrungsberichte darüber, wie du ganz bewusst, anders und auch mit wenig Geld reisen kannst. Hier kannst du die Crowdfunding-Kampagne zum Buch unterstützen. Danke!

Quelle (Permakultur) und Link zur Farm:

http://www.acoucoula.com

 

 

 

6 Kommentare auf “Reisen ohne Kosten! Workaway mit Kind oder: Permakultur in Südwestfrankreich

  1. Toller Bericht! Es freut mich zu hören, dass man sowas auch als Familie machen kann! Irgendwie denkt man ja doch noch immer, dass es mit Kindern nicht erwünscht oder zu schwer wäre…

    Liebe Grüße
    Chrissi

    1. Hallo Chrissi, ja, ja, ja, alles ist möglich, egal, was die anderen sagen, auf auf, nur zu, lebe deine/ eure Träume!!! 😉 Liebe Grüße, deine Louise

  2. Hallo Louise,
    danke für deinen ausführlichen Bericht. Klingt wirklich spannend. Eine Frage stellt sich mir immer bei solchen Projekten: Wie ist dann der Tagesablauf mit Kind? Wer betreut das Kind wenn man dort seinen täglichen „Arbeitseinsatz“ hat? Oder stelle ich mir das alles zu kompliziert vor? Ich würde auch gerne reisen. Mein Kleiner wird allerdings erst noch 2.
    Danke und viele Grüße,
    Bea.

    1. Liebe Bea, danke für deine Nachricht! Wenn du sowas wie Workaway machst, nimmst du ja vorher Kontakt zu den Leuten oder dem Projekt auf. Da entscheidet sich schon mal, ob es für diese überhaupt ok ist, jemanden oder eine Familie mit Kind(ern) aufzunehmen. Meistens ist es gar kein Problem, wenn vor Ort auch Kinder sind bzw. mit dort leben! Und dann bedeutet der „Arbeitseinsatz“ schon etwas anderes, als hier bei uns. Du wirst ja nicht bezahlt und bietest einfach deine Zeit und dein Können im Tausch gegen Unterkunft/ Verpflegung an. Dabei musst du nicht die angegebenen fünf Stunden durcharbeiten, sondern es ist alles sehr angenehm, locker und frei. Zwar bemühen sich alle, überein zu kommen, aber die Kinder können natürlich immer mit dabei sein und je nach Projekt sind das ja meistens auch Gemeinschaften, in denen mehrere Leute leben. So gesehen ist das grundlegend schon ein ganz anderes Lebensmodell, ein ganz anderes Konzept, in dem platz für alle und jeden ist, in dem sich alles vereinen lässt, das geht also easy 😉 Viele liebe Grüße, Louise

      1. Vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Vielleicht muss man es einfach mal gemacht haben. 🙂 Ich arbeite an meinem Mut 😉 LG Bea

        1. Hör´auf dein Bauchgefühl, es rennt ja auch nicht davon, so etwas 😉 Ich kann nur sagen, reisen mit Kind ist totale Freiheit! Zummindest für mich 😉 Liebe Grüße und alles Liebe

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