Schluss mit Manipulation und Konditionierung: Zeige Ehrlichkeit!

Ob ich diesen Artikel, der mir soeben in den Kopf kam, verfassen soll, wusste ich gerade nicht so genau. An Ehrlichkeit appellieren klingt ja irgendwie ein bisschen altklug. “Sei ehrlich.”  Aber nein – alles, was mir jetzt nämlich dazu einfällt, ist absolut würdig, gesagt zu werden, besonders weil wir mit Kindern umgehen! Kinder sind unter uns Menschen die offensten, feinfühligsten und ehrlichsten Wesen, die wir uns vorstellen können und ab und zu habe ich ganz starke Eingebungen – Impulse, Erinnerungen – an Situationen, Umgebungen, Geschehnisse, aus meiner eigenen Kindheit. Und in Bezug auf diese schreibe ich jetzt einfach mal, was ich dazu denke. Ich möchte niemanden beleidigen! Ich drücke lediglich meine Meinung aus, und diese hat sich aus der Sicht auf die Dinge ergeben.

Gefühlswelten sind ehrlich

Kinder verstehen alles. Wir müssen ihnen gar nichts mitteilen – ihre Intuition ist sowieso viel besser als unsere. Das einzige, was dabei ein bisschen anders ist: Kinder können ihre Wahrnehmungen vielleicht nicht so zuordnen, rational emotional erspüren und kanalisieren, so wie wir. Deshalb kommt es dann manchmal zu Wutausbrüchen, zum weinen oder anderen, uns “unpassenden” Gefühlsausbrüchen.

Gefühlsausbrüche bewegen mich immer sehr. Bei allen Menschen. Heute habe ich Straßenmusik mit einem Sänger und zwei Gitarristen gemacht und ein paar Leute haben geweint. Meine Mutter hat sich früher oft auf meinem Schoß ausgeweint. Ich weine auch manchmal. Und Manou kennt das natürlich, denn ich verstecke es nicht mehr vor ihr, sie weint ja selbst auch. Wenn ich wütend bin, bekommt sie das ebenfalls mit. In letzter Zeit lasse ich es sogar zu, dass ich mal fluche. Es passiert sehr selten, nur: früher habe ich mir das komplett verboten, denn ich wollte in der Hinsicht ein Vorbild sein.

Ich bin allgemein ein absolut positiver, ruhiger Mensch. So sehr, dass andere Menschen sich manchmal wundern, woher ich meine Gelassenheit nehme. Als Manou ein Baby war, habe ich mich über gestresste, aufgebrachte Eltern aufgeregt, weil man meiner Meinung nach nicht so mit einem Kind umgehen kann. Aber es kommt natürlich darauf an, das richtige Gleichgewicht zu finden und die Grenze zwischen Ehrlichkeit und Zurückhaltung auszuloten.

“Kinder sind belastbar” – so ein Blödsinn

Diesen Satz habe ich schon oft gehört und finde ihn völlig bequem und undurchdacht. Denn: mit was belasten wir Kinder eigentlich allgemein und was kommt schließlich dabei heraus? Ja, Kinder sind sozusagen – wie alle Menschen, denn es liegt in unserer Natur, anders könnten wir gar nicht überleben – “belastbar“. Doch in meinen Augen ist es nicht nötig, sie unnötig zu belasten, also da, wo man es vermeiden könnte. Denn die Lasten des Lebens sind ohnehin vorhanden, da müssen wir nicht auch noch dazu beitragen.

Und trotzdem finde ich es gut, authentisch zu sein. Authentisch heißt für mich: ehrlich, selbst. Mein Kind darf ruhig sehen, dass ich auch nur ein Mensch bin, Gefühle, Ecken und Kanten habe. Das sieht es sowieso. Aber darüber hinaus gibt es keinen Grund, sich künstlich zu verbiegen. Kinder merken das sowieso. Sie sagen es uns nicht, sie zeigen es nicht einmal. Aber sie verstehen uns absolut. Auch, wenn wir unehrlich sind! Ich erinnere mich sehr gut an diesen Zustand. Ich wusste immer, ob meine Eltern ehrlich zu mir waren oder nicht. Und für mich steht fest: ich bin ehrlich zu meinem Kind.

Unbequeme Wahrheiten

In unserer Familie gibt es schon jetzt ein riesengroßes Thema: die Schule. Manou ist gerade einmal vier Jahre alt und wird bereits von allen Seiten auf die Schule “vorbereitet”. Großeltern, Verwandte, Bekannte, aber auch Freunde und Fremde sind der Meinung, sie müssten diesem offenen, wunderbaren kleinen Menschen dieses Thema schon jetzt in einer ganz bestimmten Weise – ihrer Weise –  näher bringen. Eine Situation taucht dabei immer wieder auf. Manou wird nach ihrem Alter gefragt und erzählt, wenn sie Lust hat, dass sie vier Jahre ist. Dann folgt meist noch die Antwort, dass nach der vier die fünf und dann die sechs kommen. – “Und dann kommst du in die Schule!“, auf diesen Satz kann man anschließend wetten (ich sollte nächstes Mal wirklich um eine Stange Geld wetten). Manche besonders unsensiblen Menschen erlauben es sich sogar, dem Kind seine – von ihnen erwartete Zukunft – auszumalen (nicht selten sind das übrigens Erzieher oder Pädagogen). Ich selbst bin darüber wirklich erschüttert und traurig und gebe erst deshalb schließlich auch meinen Senf dazu. Der lautet dann, wenn wir beim Thema Schule bleiben: du musst überhaupt nichts. Was der Mann/ die Frau gesagt hat, stimmt so nicht ganz. Man kann es sich immer aussuchen, was man möchte.

Über die Farbe pink habe ich bereits einen ganzen Artikel geschrieben. Kinder wollen das, was sie selbst möchten, was sie begeistert, was sie anzieht! Doch wenn man das immer wieder überrollt und ignoriert und stattdessen seine eigenen Erwartungen, Vorlieben, Geschmäcker, Vorstellungen oder Ideale darüber stülpt, passiert bald folgendes: Kinder machen das, was wir ihnen auferlegt haben. Und dann heißt es: “Aber sie wollen doch Zucker!”, “Aber Mädchen lieben pinkes!”, “Er/ sie geht so gern in den Kindergarten!”.

Ehrlich währt am längsten und alles ist möglich

Ich habe das satt. Ich habe es so richtig satt, wenn ich sehe, wie diese jungen zarten Wesen auf diese Art und Weise verdorben werden. Ich finde das einfach respektlos. Unaufrichtig, anmaßend und arrogant. Vielleicht bin ich zu feinfühlig, ja, vielleicht bin ich übersensibel! Es spielt aber keine Rolle, denn ich sehe: Kinder sind dem schutzlos ausgeliefert. Sie sind nämlich wirklich hochsensibel und haben keine Möglichkeit, sich dem zu entziehen und suchen ihren Ausweg in der Anpassung. Anpassung in dieser Art ist etwas furchtbares, denn es missachtet die eigenen Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse, die eigene Expressivität! Es unterdrückt sie, lässt sie ersticken. Hat überhaupt nichts mit Liebe zu tun. Und sorry, meiner Meinung nach ein Verbrechen an der Kindheit. Kindheit ist rein, offen und fantasievoll. Und nicht manipuliert, zurechtgerückt und festgelegt.

Das Kind, was mir mit zwanzig mal gegenüber sitzt – warscheinlich schon viel früher – wird einer ehrlichen Mutter in die Augen sehen. Ich werde ihm immer alle Fragen aus dem Herzen beantworten, auch jetzt. Mein Kind soll in dem Bewusstsein aufwachsen, welches es ohnehin schon hat: dass alles möglich ist. Denn es ist alles möglich. Alles andere beruht nur auf den Erfahrungen, die wir gemacht haben. Ich sage ihm, dass es nicht in die Schule muss, wenn es nicht möchte – weil alle anderen ihm das Gegenteil einreden! Ich sage ihm, was Fleisch ist und wie die Tiere getötet werden, weil es mich danach fragt! Ich sage ihm auch, dass Zucker eigentlich eine Droge ist und alle Leute es nur essen, weil sie bereits abhängig sind! Sollte es mich mal fragen, werde ich meinem Kind auch sagen, dass es genauso gut eine Frau heiraten kann und sich nicht zwingend einen Mann aussuchen muss. Ich bin so ehrlich, dass es für die meisten Menschen in meinem Umfeld ungewohnt ist, vielleicht, weil sie es nicht kennen. Und trotzdem schätzen sie es! Mein Kind kennt das, hat es durch mich erfahren – und das liegt in meiner Verantwortung als Mutter. Es weiß, wie sich innere Wahrheiten anfühlen, dafür braucht es mich nicht. Und dennoch versuche ich, sie ihm vorzuleben, offen und echt. Abgeschaut habe ich es mir sowieso von ihm selbst. Wie das geht? Durch Beobachten, zulassen und vertrauen. Und Liebe, bedingungslose. Kinder haben etwas, was den meisten Erwachsenen fehlt: sie leben ihre innere Wahrheit. Sie sind absolut eins mit sich und dem Universum.

Du kannst alles tun! Und musst nichts. Und es gibt nie nur zwei Möglichkeiten, sondern viele. Das ist ehrlich. Amen.

2 Kommentare auf “Schluss mit Manipulation und Konditionierung: Zeige Ehrlichkeit!

  1. Danke für deine Worte, sie haben mich sehr berührt. Aber wie meinst du es, dass man nicht zur Schule muss? Ich bin gerade in der Situation, dass mein Kind gerade eingeschult wurde (leider gibt es hier nur eine “normale” Grundschule) und jetzt schon nicht mehr hin möchte. Ich sehe aber keine Alternative. Meinst du auswandern? Ich wohne in Deutschland und wir fühlen uns auch sehr wohl mit allen anderen Gegebenheiten in unserer Umgebung…

    1. Liebe Kerstin, vielen Dank für deinen ehrlichen Kommentar. Das Problem mit der Schulpflicht in Deutschland haben viele Familien, deren Kinder “natürlich lernen” wollen und dürfen sollen. Offiziell ist es nicht erlaubt, trotzdem gibt es geschätzt ca. 1500 Kinder, die trotz “Zwang” keine Schule besuchen. Auswandern ist ein Weg, jedoch nicht der einzige. Der Philosoph und Kinderrechtler Bertrand Stern kümmert sich, zusammen mit u.a. Vertretern vom BVNL, um die Betreuung solcher Familien, bei denen es aufgrund der Rechtslage bereits zu Konflikten gekommen ist oder gerade kommt. Es ist sicher eine schwierige Situation für alle und jeder muss die Entscheidung, inwieweit er sich oder seine Kinder dem (absurden) deutschen Bildungssystem unterordnen möchte oder nicht, ganz für sich allein treffen. Als Eltern hat man natürlich die Verantwortung für seine Kinder. Doch durch das große Netzwerk und Engagement der “Freilerner” wird auch versucht, auf politischer Ebene zu wirken und ein Bewusstsein für dieses Thema zu schaffen, dadurch kann es in der allgemeinen Zusammenarbeit auch dazu kommen, dass wir uns an das System der anderen Länder angleichen und die Schulpflicht auch hier obligatorisch wird.Am besten wäre es in deinem Fall vielleicht, dich da schon ein bisschen zu vernetzen, gerade wenn du sagst, dein Kind möchte nicht mehr dorthin und du würdest das unterstützen. In diesem Fall wären das die Freilerner Solidargemeinschaft e.V., der Bundesverband Natürlich Lernen, das Netzwerk Bildungsfreiheit und die Schulfrei Community. Ich hoffe, ich konnte dir damit weiterhelfen. Alles Liebe

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