Slow Zen Travellers – jeder geht seinen Weg

Dieser Beitrag ist inspiriert durch die Blogparade Reisetypen von Melanie und Thomas.

Mein Mann und ich haben uns im Flugzeug kennengelernt, auf dem gemeinsamen Rückweg von Russland. Wir waren sozusagen beruflich unterwegs, ein gemeinsames Projekt in Ekaterinburg. Der Flug verging unglaublich schnell, wir unterhielten uns die ganze Zeit. Ich weiß noch, dass es ein sehr gutes Schokodessert gab. Zur Landung einen langen Kuss. Obwohl das nur vier Jahre her ist, möchte ich sagen: wir waren so jung! Und in der Tat – wenn ich mir die Fotos dieser Reise anschaue, kommen mir die beiden darauf vor, wie unsere groß gewordenen Kinder. Danach ging alles ganz schnell. Ewiges warten auf das Gepäck am Fließband, jeder geht wieder seinen Weg. Nach Hause.

“Es gibt Kürbissuppe, kommst du rüber?” – Das waren die SMS-Inhalte der nächsten zehn Tage. Oder zwölf. Mit rüberkommen meinte er, ob ich Lust hätte, zu ihm, in seine Stadt zu fahren. Uns trennten 84 km. Eineinhalb Stunden von Tür zu Tür. Jeden Tag, heute du, morgen ich. Das war die Zeit mit nur drei Stunden Schlaf. Für mich klingelte in der fremden Stadt 3.30 Uhr wieder der Wecker.

Heute klingelt er gar nicht mehr. Dem auf alt gemachten Tschibo-Wecker müsste man erstmal wieder ein Paar Batterien einlegen. Zeit ist für uns das wichtigste überhaupt geworden. Wir nehmen uns für alles Zeit, wir lassen uns ständig Zeit. Oft vergeht sogar viel Zeit, bis einer dem anderen antwortet. “Alles zu seiner Zeit.”

Zehn Tage oder zwölf, die wir uns kennen. Frankfurt. Zwei alte Stühle in einem mit Rosen bepflanzten Innenhof. “Wollen wir uns verloben?” – “Ja”.

Es gibt viele Möglichkeiten, zusammen zu sein. Unzählige. Wir kennen die meisten sicher nicht. Heiraten wollten wir beide nie. Aber in diesem Moment wissen wir es ganz genau.

Verheiratet. Einen Monat vor unserem einjährigen wurden aus uns drei. Mein Mann hatte Tränen in den Augen, als er das kleine Ding, eingewickelt, behutsam über die Türschwelle unserer ersten gemeinsamen Wohnung trug. “Das ist dein Zuhause! Hoffentlich gefällt´s dir.” – Diesen Moment werde ich nie vergessen…

Unser Kind wird jetzt drei Jahre alt. Ihr neustes Hobby ist, mit zur Arbeit kommen. So gesehen arbeiten wir alle das gleiche. Wir sind gleich. Alle sind eins und vollkommen gleichberechtigt. Alle haben verschiedene Wünsche, alle Wünsche sind gleichberechtigt. Mama frühstückt jeden Tag anders. Das Kind möchte morgens Müsli. Papa frühstückt nichts. Das ist Gleichberechtigung.

Italien. Unsere erste Flugreise mit Kind. Ein Fest der Liebe, eingetaucht in ein Meer aus Lavendel, hoch oben, über den Klippen des Meers. Elsass und nochmals Elsass, es geht doch nichts über ein französisches Buttercroissant an einem Sonntagmorgen! Immer wie-der sonn-tags. Lang lebe der Dschungel auf Langkawi. Malaysischer Urwald. Die Geräusche der Zikaden sind unser Soundtrack für die nächsten Wochen. Hier wollen wir bleiben.

Langkawi, Malaysia

Hitze. Dicke, schwüle, feuchttropische Wärme. Beim einladen unseres Gepäcks am Flughafen kleben bereits die T-Shirts an der Haut.

Die ersten Tage nach unserer Ankunft, finden wir nirgends etwas zu essen. Wir scheinen jedes Mal vor verschlossenen Restauranttüren zu stehen. Es ist Ramadan. Auf der Insel steht die Zeit still. Ich fühle mich wie in einem Film. Wer einmal 576 Stunden lang das Geräusch der Zikaden gehört hat, weiß, wovon ich spreche.

Die Mama der Bananen frittiert lustige Bällchen in einem riesigen Wok. 30 Stück für einen Euro.

Dschungel. Traumhafte Wasserfälle. Schmetterlinge, wie aus einer Urzeit. Sei dir des gegenwärtigen Moments absolut bewusst. Augen, die uns von überall beobachten. Wir sind Eindringlinge, Fremde. Die Dschungelhunde meiner Freundin Vera begleiten uns. Sie sagen, dass wir friedlich sind.

Der Regen kommt jede Nacht. Er prasselt über alles hinweg und ist so laut, dass man sein eigenes Wort nicht versteht. Eine Herde Kühe sucht vor unserem Haus Schutz. Sie parkt direkt auf der Straße. Die einsamen Motorräder kommen nicht mehr hindurch.

Das vierte Jahr

Vier ist die Zahl der Erde. Vier besteht aus zwei Hälften. Ying und Yang. Ich habe mir ein paar Monate freigenommen. Vielleicht war es die Kündigung. Einer geht in den Ashram. Der andere legt 3000 km aus eigener Kraft zurück. Das Kind hält unsere Hände zusammen, wir sind immer zusammen. Das neue Jahr soll in Indien beginnen! Und dann? Wieder zu Vera, nach Malaysia. open end.

Wir alle gehen unseren eigenen Weg. Zusammen.

 

3 Gedanken zu „Slow Zen Travellers – jeder geht seinen Weg

  1. Hi Louise,

    vielen Dank für diesen wunderschönen Beitrag zu unserer Blogparade.

    Ihr scheint alles richtig zu machen, das liest man aus Deinen Zeilen heraus. Und das mit den Zikaden, das möchte ich auch mal erleben.

    LG Thomas

    1. Hey Thomas,
      daaaaanke 🙂 Ja, ohne eure schöne Parade wäre das ja gar nicht erst entstanden, also Kompliment zurück!! Und ich hoffe nicht, dass ich mit den Zikaden übertrieben habe, aber es klingt wirklich ein bisschen wie im James Bond Film, die Musik, wenn einer im Gebüsch lauert – nur bei Sonnenschein am Strand, einfach verrückt… Liebe Grüße!!

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