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So lernen Kinder durch ihre eigenen Erfahrungen

Wissenschaftler haben bewiesen, was Eltern schon lange wissen: Kinder (speziell junge Kinder) lernen am Meisten durch eigenes Ausprobieren und Handeln. Dies widerspricht dem Prinzip, Kinder schon früh in bestimmten Disziplinen zu Höchstleistungen zu trimmen. Denn Motivation und Interesse sind Grundvoraussetzungen, um zu lernen. Die Motivation und Interesse sollte vom Kind aus kommen, es soll sich aus eigenem Antrieb einer bestimmten Sache widmen. Aufgabe der Eltern ist nicht, den Kindern ein bestimmtes Hobby (z.B. an Klavier spielen, Englisch lernen) aufs Auge zu drücken. Stattdessen sollten sie eine motivierende Umgebung schaffen, die die Kinder dazu einlädt, etwas Neues zu erkunden, zu begreifen, zu lernen.

Nicht reden, sondern ausprobieren lassen – Kinder brauchen mehr als verbale Anleitungen.

Unser Bildungssystem baut darauf auf, Sachwissen durch sprachliche oder schriftliche Erläuterungen anzuhäufen. Wir bekommen Dinge theoretisch erklärt, zu denen wir praktisch keinen Bezug haben. Die Folge: ein Großteil des Wissens, das für Prüfungen mühsam auswendig gelernt wurde, geht rasch wieder verloren. Kinder können Dinge, die sie durch eigene Erfahrungen gelernt haben, nachhaltiger im Gehirn speichern. Ein Kind sollte deshalb in seinem Forscherdrang unterstützt werden. Angenommen, ein Kind findet eine braune Feder am Feldweg. Das Kind fragt die Mutter, von welchem Vogel die Feder stammt. Die Mutter gibt an, dass sie es selbst nicht wisse. Das Kind könne aber im Tierlexikon (oder Internet) nachsehen, ob sie dort einen Vogel mit diesem Gefieder finden würde. Dadurch lernt das Kind etwa Neues, ganz aus eigenem Antrieb heraus. Zudem lernt es Wege kennen, sich bei Unklarheiten Wissen zu beschaffen. Es löst das Problem selbst. Auch bei jüngeren Kindern funktioniert das Prinzip ähnlich. Schauen wir uns näher an, wie ein Kind die Muttersprache erwirbt.

Sprache begreifen – Verstehen durch Handeln

Stellen wir uns ein 18 Monate altes Kind vor. Es sieht zur Box mit den Buntstiften, welche auf einem höher gelegenen Schrank steht. Das Kind macht auf sich aufmerksam und zeigt auf die Box. Die Mutter fragt „Möchtest du malen?“ Sie gibt dem Kind einen Zettel und Buntstifte. Das Kind malt Punkte. Mutter: „Ich male auch mit.“ Sie nimmt sich auch ein Blatt und malt einen Kreis darauf. Mutter spricht und handelt dabei simultan: „Ich male mit rot…“ Dann zeigt sie auf das Blatt des Kindes „Und du malst mit blau.“ Die Mutter verbalisiert die Handlung, die das Kind gerade durchführt. Sie wiederholt das Wort „malen“ des öfteren. Das Kind versteht durch die eigene Erfahrung, was „malen“ ist. Durch das verbale Angebot der Mutter, kann sie der Tätigkeit ein Wort beifügen. Durch das Begreifen von Handlungsabläufen können sprachliche Begriffe erlernt werden. Auch hier lernt das Kind nicht durch abstrakte Erklärungen, sondern ganz konkret in der Situation.

Elterliche Überbehütung als Entwicklungshemmer

In der letzten Zeit bin ich öfter über den Begriff „Helikopter-Eltern“ gestolpert. Mit diesem Begriff wird ein Erziehungsstil beschrieben, der durch Überbehütung und hohen Leistungsansprüchen an das Kind gekennzeichnet ist. Heutzutage ist es in der westlichen Welt immer seltener, dass Eltern mehrere Kinder bekommen. Häufig wird die ganze Liebe und Energie in ein Kind gesteckt. In manchen Familien führt das dazu, dass das Kind von jeglichen „Gefahr“ vorbeugend ferngehalten wird. Es darf nirgends raufklettern, denn dann könnte es ja runterfallen. Es darf nichts schneiden (auch nicht mit Unterstützung), denn dann könnte es sich verletzen. Es ist im Sommer bei wärmsten Temperaturen in einen dicken Pulli und Jacke eingehüllt, denn sonst könnte es sich erkälten. Beim Rodelausflug mit der Nachbarsfamilie sollte es lieber nicht mitfahren, denn da könnte es stürzen. Die Liste ist lang, da dieser Überbehütungs-Mechanismus alle Lebensbereiche betrifft. Da Kinder darin eingeschränkt sind, neue Erfahrungen zu machen, können sie weniger dazulernen. Außerdem bauen sie kein großes Selbstwertgefühl auf, wenn ihnen alles immer abgenommen wird. Sie erleben sich nicht als selbstwirksam, also nicht als Mensch, der in der Lage ist, seine Umgebung zu gestalten und zu verändern.

Erfahrungen – auch negative – sind wichtig, um im späteren Leben bestehen zu können. Wenn ein Kind einmal von der Bank gefallen ist, wird dies sicher nicht als positives Erlebnis abgespeichert werden. Dafür lernt das Kind, dass runterfallen schmerzhaft ist. Es wird in Zukunft vorsichtiger sein, um nicht noch einmal ein ähnliches Schmerzgefühl zu erleben. Ein Kind, welches nie diese Erfahrung gemacht hat, wird vielleicht völlig unbekümmert auf einem Baum klettern – und sich beim Sturz viel heftiger verletzen, als das Kind das einst von der Bank gefallen ist.

Kinder wollen, dass man ihnen vertraut. Sie wollen ihre Fähigkeiten ausprobieren und erweitern, Neues kennen lernen. Eltern lieben ihre Kinder, und möchten sie daher beschützen. Manchmal ist es gar nicht so einfach, eine potenzielle Gefahr richtig einzuschätzen. Manchmal müssen auch Grenzen gezogen werden. Manchmal reicht es aber auch aus, wenn das Kind die Sicherheit hat: Mama/Papa ist da. Sie/Er fängt mich auf, wenn es brenzlig wird. Kinder sollen lernen, ihre Fähigkeiten einzuschätzen. Sie sollen mit Selbstvertrauen in die Welt starten können, und sich selbst als Mitgestalter ihrer Umwelt sehen.

 

Isa Verfasst von Isa, Bloggerin, Logopädiestudentin und Weltenbummlerin

“Ich studiere derzeit im fünften Semester Logopädie und schließe 2016 meine FH-Ausbildung ab. Meine größte Leidenschaft ist das Reisen. Reisen bedeutet für mich eine ständige Suche nach neuen Erkenntnissen. Reisen bedeutet für mich aber auch Genuss und Auszeit. Reisen öffnet mir den Blick für das Wesentliche. Durch meinem Blog kann ich meine Gedanken, Erkenntnisse und Erlebnisse mit anderen teilen. “

(2) Comments

  1. Super Artikel!
    Du hast wirklich recht. Ich bin Kindergärtnerin (seit 20 Jahren) und ich muss wirklich sagen, die Kinder haben sich im Laufe der Zeit verändert. Jedes Kind glaub, es ist das Zentrum des Universums und braucht die volle Aufmerksamkeit, weil es diese auch daheim erhält. Die Kinder werden bespielt und können sich kaum mehr alleine beschäftigen. Vom Schere schneiden will ich gar nicht erst anfangen. Die meisten Kinder können wirklich nicht damit umgehen, weil es anscheinend zu gefährlich ist. Sehr traurig ist das! Lasst die Kinder wieder Kinder sein!! Herumtoben, Sachen ausprobieren, experimenterien, auf Bäume klettern … es wäre so einfach .. aber nein, heutzutage macht man Ergotherapie, Frühkindliche Förderung usw, aber das Wesentlichste wird vergessen …

    1. Louis says:

      Liebe Anna, vielen Dank! Ich gebe das gern an die Gastautorin weiter ;) Liebste Grüße, Louise

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