Südostasien mit dem Zug: von Kuala Lumpur über Bangkok nach Laos

9:15, KL Sentral Stesen

Der Zug ist wie eine moderne S-Bahn in Deutschland. Alles ist sauber, in den Toiletten stehen Eimer mit duftendem Wischer parat. Es gibt keine Mülleimer und daher ist nirgendwo etwas klebriges, was stinkt.

13:07, Butterworth Ankunft

Hier hatte ich mich auf einen kleinen Snack gefreut, aber dieser Transitbahnhof ähnelt dem  Gate-Aufenthaltsraum am Flughafen. Es gibt nichts, außer den Blick durch die großen Scheiben: Schienen, Fähren, Hochhäuser.

14:00, Abfahrt des zweiten Zuges nach Bangkok

Niemand ist sich sicher, wo er einsteigen muss. Wagennummern gibt es (zummindest für uns nicht sichtbar) keine. Der Zug sieht aus, wie ein Güterzug, nur sehr kurz. Innen ist er kompakt. Links und rechts sind sich jeweils zwei Ledersitze gegenüber. Die scheinbar riesigen Gepäckfächer in Kopfhöhe werden abends zu Betten umgeklappt. Das Gepäck wird abwechselnd links und rechts oben und unten in metallregalen verstaut. Überhaupt ist alles aus Metall. Wenn ich an die Decke schaue, kommen mir Gedanken wie Krankenhaus, Flugzeug, Massenzüge. Die drei Chinesen, die mit uns eingestiegen sind, verbreiten plötzlich Hektik und packen blitzschnell ihre Koffer: „We have to change, this is number nine!“. Auch wir sollen eigentlich im Wagen Nummer zehn sitzen, daher machen wir es ihnen nach, die anderen Gäste werden auch unsicher. Aber an der Tür kehren alle wieder um, nichts.

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14:37

Ein Mann mit grüner Schürze teilt Menükarten aus. Es stehen vier Gerichte zur Auswahl, darunter ein vegetarisches. 22 MYR sind völlig überteuert und ich habe noch viel Wasser und Früchte dabei. Doch das gönne ich uns jetzt, wenn schon, denn schon. Ich muss unsere restlichen Ringgit loswerden.

Ausgeteilt werden außerdem Arrival- und Departure Cards – das Visum für Thailand erhält man auf diese Weise ganz unkompliziert. Manou muss mal auf die Toilette. Ich sehe keine Beschilderung. Am Ende des Zuges sind zwei Metalltüren, verschlossen. Wir müssen ins andere Abteil. Links eine Hocktoilette, rechts eine zum sitzen. Manou kreischt, weil es ihr zu sehr stinkt, sie möchte lieber nicht auf Toilette. Als sie es später doch nicht mehr aushält, reibt sie sich meine indische Duftcreme unter die Nase und wir freuen uns über die riesige Rolle Klopapier, mit der wir die Sitzgelegenheit schön weich machen.

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15:45, Alor Setar. Manou schläft.

16:40, Padang Besar.

Alle Passagiere müssen aussteigen und sich am Immigrationschalter anstellen. Keine leichte Sache. Die Backpacker haben alle noch kein Hostel in Bangkok und wollen „just go to the center!“, das stört den Officer. Auch wir werden noch zweimal zurück geschickt, um unser Kärtchen besser auszufüllen. Aber wir bekommen immerhin 30 Tage, andere dürfen nur zwei Wochen bleiben. Einem Pärchen wird es besonders schwer gemacht, wir helfen mit unserer Adresse. Zurück im Zug steht schon unser Essen auf dem extra dafür ausgeklappten Tisch. Thaireis mit frischem Gemüse, Pilze und Cashewnüsse, eine Achtelmelone und Tee. Manou bekommt noch einen echten Kakao geschenkt! Der Zug hält eine Stunde hier.

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17:53: „Willkommen in Thailand!“, schickt mir mein Handy und die Passkontrolle läuft durch den Zug. Sie verteilt außerdem Begrüßungsgeld! Zwei 20 Baht-Scheine. Und auf der Rückseite ist der Buddha!!

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Ich entdecke die Mitreisenden. Interessantester Gast: Phra Lom Dannakin. Mönch, Buddhist, unterwegs ins Himalaya. Leider kann er mir meine Herzensfragen nicht beantworten, da er kaum englisch versteht. Was ich in Erfahrung bringen konnte:

  • geboren: 1965
  • Thailänder, lebt in Bangkok
  • seit 1984 Mönch
  • Mama 88 Jahre, Papa 85 Jahre alt
  • isst nur morgens, 8 und 11 Uhr

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18:26

Es dämmert. Die Landschaft sieht schon anders aus. Malaysia hatte flache Wellblechdächer, hier hingegen sind die Häuser oben spitz. Wer will, kann jederzeit etwas bestellen. Gerade bieten drei Frauen chicken auf Bananenblättern an. Der Zug ruckelt und stoppt öfter blitzartig, fährt vor und zurück, warscheinlich sind die Weichen falsch gestellt. Manou sitzt am Tisch der griechischen Backpackerin, die auf dem Weg nach Indien ist, malt und unterhält sich mit ihr.

18:43, Hat Yai. Ein bunter Bahnhof. Am Nachbargleis steigen Soldaten mit Schießgewehren aus dem Zug.

19:19. Manou spielt mit der Frau all ihre selbst gebastelten Memoryspiele durch.

19:24. Die Betten werden ausgeklappt. Ein Mann bezieht jeden Schlafplatz mit frischer Bettwäsche, bringt Kopfkissen und steckt blaue Vorhänge an. Wir gehen „ganz ordentlich“ Zähne putzen und schlafen. Gemütlich!!

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1:25. Ich wache auf, denn es ist furchtbar laut. Immer höre ich chinesisch und denke, die Betten werden schon eingeklappt (aber zum Glück noch nicht!)

ca. 6:30. Ich wache auf, alles schläft. Eine Thailänderin frühstückt.

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9:50. Wir frühstücken, was wir noch haben. Der Mönch schenkt uns süße Brötchen.

Bangkok.

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Ein paar Tage später. Die Zugfahrt von Bangkok nach Nong Khai: das gleiche in grün. Ein Sleeper, der abends 20:00 Uhr startet und morgens halb zehn kurz vor der Grenze zu Laos ankommt.

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Nong Khai nach Thanaleng: 15 Minuten Fenster gucken und Fahrkartenkontrolle.

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Laos.

P.S.: Welche Strecken, wo genau, wie, wann buchen – habe ich alles von der Seite eines Kenners: http://www.seat61.com/index.html Sehr hilfreich! Und nicht nur für Asien.

 

 

 

8 Kommentare auf “Südostasien mit dem Zug: von Kuala Lumpur über Bangkok nach Laos

      1. Den Nachtzug brauchst Du in Deutschland nur probieren, wenn Du unter 160 cm bist und schlank, sowie überall schlafen kannst… Mit Glück sauber, aber grusig, ich kenne sowohl die Schlafsitze als auch die Betten… nie wieder… achja, ich bin 178 cm gross…

  1. Hallo Louise und Manou, ich habe lange nichts gehört und hatte die Idee, mal in Euren Block zu gucken. Nun weiß ich alles und staune. Euch geht es gut. und es ist interessant, was Du schreibst. Vielleicht seid Ihr nun auch schon wo anders. Liebe Grüße, Mama

      1. Liebe Mama, schön, dass du hier vorbeischaust, ja, es gibt viel Neues, eine Nachricht ist schon unterwegs in dein Postfach 🙂 Seit ein paar Tagen kann ich nun endlich auch What´s App bedienen… Liebe Grüße, deine Louise

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