Vegane Kinderernährung – Wie du durch Essen für Gesundheit sorgst

vegane Kinderernährung

Zugegeben, am Anfang meines Veganertums haben mich die unzähligen Diskussionen, in die ich damit immer wieder geriet, doch noch ab und zu irritiert. Habe ich damit jetzt wirklich alle Nährstoffe und nicht eher Mängel, fehlt mir auf Dauer nicht etwas, brauche ich nicht doch ab und zu wenigstens etwas Fisch wegen den omega-3-Fettsäuren? Was ist mit Bananenquark und griechischem Jogurt, was ich doch als letztes immer noch so gerne gegessen habe? Verbackene Eier im Kuchen und Honig statt Zucker?

Also, jetzt kann ich euch wirklich mal was gutes berichten. Immerhin, mit 16 wurde ich Vegetarier, das ist nun schon 13 Jahre her. Und seit vier Jahren lebe ich komplett vegan. Am Anfang habe ich davon noch nicht so viel gemerkt. Alles war wie immer, meine Haut hatte trotzdem Pickel, abgenommen habe ich nicht merklich und auch allgemein gesundheitlich war der Unterschied eher gering. Aber jetzt, nach vier Jahren vegansein, kann ich doch sagen, dass ich den Dreh´ heraus habe, ja, ich spüre den Unterschied wie Tag und Nacht!

Als Veganerneuling habe ich typische Anfängerfehler gemacht, hatte keine Routine und das Interesse an Ethik und Tierliebe dominierte mit Abstand das zur Liebe und  Selbstwertschätzung des eigenen Körpers. Mittlerweile bin ich Vollblutveganer ohne Missionarsanspruch! Jedoch finde ich mein neues Körpergefühl so toll und bewegend, dass ich es gern mit denen, die sich dafür interessieren, teilen möchte. Ich möchte dir gern ein Stückchen von dem abgeben, was ich durch dieses Geschenk erhalten habe, nämlich mehr Gesundheit, ein neues Gefühl von Schönheit und echter Vitalität, mentale Stärke und körperliche Kraft, Schwung, Ausdauer, Wachheit und v.a. – ein gesundes Kind. Denn ja, unser Kind ernähren wir seit seiner Geburt auch vegan – und es erfreut sich kerniger Gesundheit und Kraft wie aus dem Bilderbuch!

Gesunde vegane Ernährung für dich und dein Kind – sieben Regeln

  1. So abwechslungsreich, wie möglich!
  2. Frisches Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse und Vollkornprodukte bevorzugen!
  3. Raffinierten Zucker und Auszugsmehl meiden!
  4. Industriell verarbeitete Nahrungsmittel vermeiden!
  5. Vitamin-C-haltige Getränke zu den Mahlzeiten, um die Eisenaufnahme zu optimieren.
  6. Zusätzliche Fette/ Öle nur in geringen Mengen (außer bei Kleinkindern!), Omega-3-Fettsäuren am besten aus Wallnuss- oder Leinöl, besser frisch gemahlene Leinsamen.
  7. Vitamin B12 als Nahrungsergänzung nehmen*, viel Sonnenlicht/ „Frischluft“ für Vitamin D.

Am Anfang hat man noch nicht so viel Erfahrung und die Gefahr, sich einseitig zu ernähren, ist genauso groß wie bei Vegetariern oder Fleischessern. Doch wenn man diese Regeln, aufgestellt von dem bekannten Veganarzt Dr. med. Ernst Walter Henrich, wirklich beherzigt und versteht, wird vegan essen ziemlich schnell zur angenehmen, „abwechslungsreichen“ Routine und auch die körperlichen und gesundheitlichen Vorzüge kommen schneller zum tragen, als durch irgendeine andere Maßnahme.

Was mir darüber hinaus anfangs am meisten geholfen hat, war die Sonderausgabe des Veggie-Journals, „VEGAN“. Auf haptisch ansprechendem Recyclingpapier wirken wunderschöne Food-Fotos und 80 Rezepte, die einfach sind und denen man beim Anblick einfach nicht mehr wiederstehen kann.

Die gesündeste Ernährung aus medizinischer Sicht

Der Auslöser für den Umstieg von vegetarisch auf vegan war bei mir vor etwa vier Jahren eine Broschüre, die in der Stadtbücherei herumlag: „Vegan – Die gesündeste Ernährung“, von Dr. med. Ernst Walter Henrich. Die 46 Seiten habe ich in einem Rutsch durchgelesen und musste danach total heulen. So sehr, dass ich den ganzen Tag nichts anderes mehr machen konnte, als zurück in die Bibliothek fahren, zwanzig weitere Broschüren holen, um wenigstens noch ein paar andere Mitmenschen „aufzuwecken“ und von der unglaublichen Neuheit zu überzeugen. Wie gesagt, von meinen anfänglichen Bekehrungsversuchen habe ich inzwischen abgelassen – auch ein typischer Anfängerfehler. Vegan ist eine Lebenseinstellung, eine Philosophie, die den, der sie ausübt, u.a. mit reicher Gesundheit beschenkt. Doch das muss in erster Linie aus einem selbst, von innen heraus kommen, damit es nachhaltig wirkt und anhält. Veganismus ist meistens ein Prozess und geht nicht von heute auf morgen. Die Broschüre kann man sich hier kostenlos und portofrei bestellen: http://www.provegan.info/de/broschueren-kostenlos-anfordern/

Und wer es noch ausführlicher wissen möchte, sollte mal einen Blick in die „China Study“ von T. Colin Campbell werfen. Der emeritierte Professor war über 40 Jahre war einer der weltweit führendsten und annerkanntesten Ernährungsforscher. Er hat über 300 Forschungsarbeiten verfasst und das China-Projekt ist die umfassendste Studie über Gesundheit und Ernährung, die jemals durchgeführt wurde. Natürlich wurde sie durch staatliche Forschungsgelder der USA und Chinas finanziert und deshalb auch besonders gut durch die Behörden kontrolliert.

Auch Dr. Caldwell B. Esselstyn wurde 1994/1995 in die Liste der besten Ärzte der USA aufgenommen, er führte z.B. den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton zu einer veganen Ernährung.

„Eine richtig durchgeführte, abwechslungsreiche vegane Ernährung ist die gesündeste Kostform und die einzig wirklich gesunde Ernährung. Allerdings wird aus einer Ernährung, aus der man lediglich Fleisch, Milch, Käse, Eier und Fisch weglässt, nicht automatisch eine gesunde Nahrung. Denn eine falsch zusammengestellte, nicht abwechslungsreiche vegane Ernährung mit zu viel raffinierten Zuckern und zu vielen zugesetzten Ölen/ Fetten ist auch ungesund! Dies gilt trotz der in vielen wissenschaftlichen Ernährungsstudien festgestellten Tatsache, dass die Mehrzahl der sich vegan ernährenden Menschen einen besseren Gesundheitsstatus aufweisen als Fleischesser und Vegetarier. […] Es sei an dieser Stelle noch einmal betont, dass eine vegetarische Ernährung keinen gesundheitlichen Vorteil hat[…]. Der Verzehr von Fett bewirkt, dass der Körper selbst hohe Mengen an Cholesterin produziert, weshalb Vegetarier, die Öle, Butter, Käse, Milch, Eis, glasiertes [Gebäck] essen, eine koronare Herzkrankheit entwickeln, obwohl sie Fleisch vermeiden.“, Dr. med. Ernst Walter Henrich.

Die komplette ärztliche Analyse und Bewertung von Dr. med. Henrich kann man hier einsehen.

Ein Interview mit der Fachärztin Dr. med. Eva Kristina Bee gibt es hier zu lesen.

 

p1040213Restaurantbesuch in Vientiane, Laos

Vegane Ernährung für Kinder

Die  Amerikanische Gesellschaft für Ernährung (AND „Academy of Nutrition and Dietetics“) und die DC (Verband der kanadischen Ernährungswissenschaftler) nehmen in ihrem Positionspapier von 2003 eindeutig Stellung zu den gesundheitlichen Vorteilen der veganen Ernährung: „Gut geplante vegane […] Ernährung [ist] für alle Phasen des Lebenszyklus geeignet, einschließlich Schwangerschaft, Stillzeit, früher und späterer Kindheit und Adoleszenz.“

Interessante Links, Ergebnisse und Artikel zum Thema vegane Kinderernährung erhält man außerdem, wenn man auf Dr. med. Ernst Walter Henrichs Website der Provegan-Stiftung im Suchfeld z.B. „Kinder“ eintippt: http://www.provegan.info/de/suche/

Persönlich kann ich nur sagen, dass ich anfangs viel Skeptik, zum Teil auch Unverständnis und Kritik erntete – nicht direkt, doch merklich in den Fragen, Kommentaren und Haltungen, besonders von Familienmitgliedern, Verwandten und Bekannten. Mittlerweile bin ich bestens informiert und aufgeklärt und habe darüber hinaus so eine gute Essensgewohnheit für mich und unser Kind entwickelt, dass das beste Beispiel immer wieder das Kind selbst mit seiner blendenden Gesundheit ist. Manou war seit ihrer Geburt kein einziges Mal ernsthaft krank, ist stark, lebendig und vital und zieht mit ihrer leuchtend braunen Haut, den strahlenden Augen und weißen Zähnen immer wieder die Blicke fremder Leute auf sich. „Dein Kind sieht so gesund aus!“ ist dann das schönste Kompliment, was ich als Mutter dafür zu hören bekomme. Bezüglich Gesundheit spielen neben dem Vegansein natürlich auch noch andere Dinge eine Rolle, die ich u.a. in meinem (kostenlosen) Mini-eBook beschrieben habe. Außerdem achtet eine gute vegane Ernährung gleichzeitig darauf, basisch zu sein, da im basischen Milieu aus ärztlicher Sicht keine Krankheit langfristig überleben kann (aus diesem Grund ernähren wir uns z.B. außerdem noch glutenfrei). Leider gibt es jedoch immer noch Menschen, die aus Unwissenheit meinen, dem Kind ab und zu wenigstens ein paar „lebenswichtige“ Stoffe zuführen zu müssen, so z.B. besserwisserische Großeltern, die den modernen „Trend“ der neumodischen Eltern nur schwer nachvollziehen können. Wichtig ist hier, einfach ein gutes Vorbild zu sein und deinem Kind das, was du dir für es selbst wünschst, auch gern und authentisch vorzuleben. Fahde Rohkostteller servieren und hinter vorgehaltener Hand heimlich schlemmen geht meiner Meinung nach überhaupt nicht! Mein Kind darf mittlerweile selbstverständlich und gern das gleiche bekommen, wie ich selbst. Ich rauche und trinke nicht, nein, auch keinen Kaffee, dafür nasche ich gern und mag die Vielfalt, weshalb ich nicht (mehr) an guten Produkten, gern auch Bio oder Fairtrade, spare. Zucker gibt es bei uns, zummindest in der raffinierten Form, nicht bzw. nur ganz selten und wenn, dann vegan. Stattdessen backen wir gern reichhaltige Rohkostschokokuchen, -brownies oder machen Eis, Pralinen und andere Nachtische selbst, die ich gern auf Vorrat im Kühlschrank habe und damit auch für ausgiebige Schlemmergelüste gern gewappnet bin. Ein paar Beispiele dafür habe ich hier beschrieben. Mittlerweile gibt es in jeder Stadt vegane Gruppen, Stammtische oder „Sonntagsbrunche“, bei denen man sich vernetzen, austauschen und jede Menge gute, neue Sachen probieren kann, zum Teil kostenlos oder auf Spendenbasis. Ein Event, dass sich mir besonders eingeprägt hat, war eine vegane Hausparty mit Krabbelgruppenmamas, ihren Freunden und einer vegan Songwriterin, die die passende Musik lieferte und zusätzlich ihre selbst bestempelten CD´s aus Pappe verkauft hat. Erstanlich ist dabei, wie viele Familien und Kinder man dort antrifft und oft ist dann das vegane Essen nur das i-Tüpfelchen einer bewussten, zukunftsweisenden Haltung interessanter Menschen, von denen es viel zu lernen gibt – so ging es zummindest mir.

Noch zum Abschluss und ganz nebenbei: mittlerweile kann man sich sogar zum veganen Ernährungsberater ausbilden lassen oder sich von solchen ausführlich informieren, beraten oder begleiten lassen – zukünftig auch von mir, hier auf Zwerggeflüster! Du meinst, das ist alles viel zu kompliziert oder zu aufwendig, zu schwer umzusetzen, alltagsfremd oder ungesund? Dann lass dich überraschen! Letztendlich ist es nur eine Gewohnheitssache…

Letztendlich muss jeder selber wissen, wie er sich und/ oder seine Kinder ernährt. Aus meiner Sicht kann ich nur sagen, dass für uns die Vorteile klar auf der Hand liegen. Manou war seit ihrer Geburt noch nie ernsthaft krank, ist körperlich absolut fit, vital, stark und gesund. Wenn wir einkaufen gehen, sprechen mich fremde Menschen an, weil sie fasziniert sind darüber, dass das Kind mit Begeisterung in die Obst-/ Gemüseabteilung und nicht durch die bunten Zuckerregale rennt. Wer die Inhalte des Codex Alimentarius kennt, weiß auch, dass es sich lohnt, selbst unabhängig von (eigenen) Kindern an der eigenen Gesundheit durch Ernährung zu arbeiten. Und schlussendlich ist vegan sein viel mehr, als eine reine Essgewohnheit. Vegan ist Philosophie, eine Lebenseinstellung. Vegan heißt Liebe zum Leben, Respekt und Mitgefühl. Das kann sich im Essen ausdrücken, darüber hinaus aber in vielem mehr.

20160409_124030Manou streichelt eine Kuh in Pushkar, Indien

Bon appétit, good health und love & peace!!! Deine Louise

 

Quellen:

ProVegan-Stiftung, Dr. med. Ernst Walter Henrich

http://www.vegangesund.info/

http://www.petakids.de/infos-fuer-lehrer-und-eltern/

* Vitamin B12 kann man z.B. in online-Versandhäusern (wie z.B. der Shopapotheke) bestellen, hierbei kann man die Anfrage über das Suchfeld mit der Eingabe „vegan“ auch auf vegane Produkte begrenzen.

5 Kommentare auf “Vegane Kinderernährung – Wie du durch Essen für Gesundheit sorgst

  1. Super. Die beste (und brandneue) Lektüre die ich für Interessierte empfehlen kann ist How Not To Die von Michael Greger. Gibt es jetzt auch auf Deutsch.

  2. Super. Zur Ergänzung noch eine weitere und brandneue Lektüre für alle Interessierte: How not to die von Michael Greger. Wurde gerade auch auf deutsch veröffentlicht.

  3. hallo meine liebe. danke für deinen wunderbaren text und wenn du von der veganen ernährung so überzeugt bist, ist es das natürlichste auf der welt, auch dein kind so zu ernähren. und es kommt immer mehr und mehr, dass menschen aufwachen und merken, dass einen normale westliche kost einfach nicht gesund ist.
    das beste ist dass du es von anfang an bei deinem kind praktizierst, dein kind wird es auch weitergeben usw. und so werden immer mehr menschen, sich natürlicher und vor allem auch gesünder und umweltfreundlicher ernähren.
    ich freue mich über jeden der sich vegan ernährt. auch für mich ist es eine möglichkeit, meinen körper, mit den nährstoffen und der energie zu beliefern, die er braucht und das ohne ein schlechtes gewissen gegenüber tieren oder der umwelt. gesundheitlich geht es mir viel besser, meine haut ist viel besser und auch sonst fühle ich mich stark und lebendig.
    ich habe auf dem blog von mir und meiner lieben freundin liane auch ein paar vegane lieblingsrezepte gepostet:)

    lebenslichtpfade.wordpress.com

    alles liebe lis

    1. hey lisa, vielen dank für deinen schönen kommentar und die worte, ich kann das alles nur teilen und zurückgeben. just peace <3

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