Warum immer Pink? Über das Ausmaß der Pinkifizierung

Pink, pink, pink sind alle meine Kleider,

pink, pink, pink ist alles, was ich hab´.

Darum lieb´ich alles, was so pink ist,

weil mein Schatz ein pinkes Spielzeug ist.

Wir bekommen so viel geschenkt – seit ich Mutter bin, musste ich noch nicht ein einziges Kinderkleidungsstück selbst kaufen. Eigentlich. Wäre nicht jedes Teil wieder in rosa oder pink. Wenn es nicht pink ist, ist es zumindest lila. Rosa, pinke oder lila Applikationen hat es in jedem Fall. Also mache ich folgendes: ich verkaufe die neuwertigen Sachen auf Ebay. Dafür breite ich sie allesamt auf dem Fußboden aus, um davon ein Foto zu machen. Wenn mein Mann das sieht, sagt er nur: „Schick´das nur weg, davon bekommt man ja Augenkrebs!“. Ich bekomme dabei noch ein schlechtes Gewissen, immerhin waren das ja gut gemeinte Geschenke.

Warum Mädchen? Warum immer pink? Warum nicht pink für die Jungen? Na, weil das eine Mädchenfarbe ist. Gibt es überhaupt geschlechtliche Farben? Und wenn ja, wer bestimmt das? Kommen Mädchen wirklich auf die Welt und wollen pinkes?

Zunächst einmal – ich möchte hier nicht gegen die Farbe Pink hetzen. Erst recht nicht gegen Menschen, denen pink gefällt. Jeder soll machen, was er will (so lange er anderen dabei nicht schadet). Doch genau das ist der Punkt – kann man in Sachen Mädchenkleidung wirklich machen, was man will? Es ist nämlich in der Tat nicht einfach, da mal irgendetwas zu finden, was aus der Reihe tanzt und nicht wenigstens zum Teil pink-gebrandmarkt ist. Aber warum ist das so? Und wem nützt das?

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Foto: Oral-B

Pink Lady

An den Farben rosa, lila, pink erkennt man sofort: Mädchen. Alle anderen Farben sind für Jungs erlaubt. Einen Bub´, der von oben bis unten in pink gekleidet ist, habe ich noch nie gesehen und mit Sicherheit würde man ihn oder seine Begleitung auch sehr merkwürdig beäugen. Ein junger Mann in pink wäre schwul oder irgendwie verweichlicht. Kein richtiger Mann, ein Frau-Mann. Eben Frau. Bei Mädchen findet das niemand komisch. In jedem Kaufhaus sieht man schon von weitem die begehrte Abteilung. Schreibwaren, Spielzeug, Schuhe, Süßes, Bekleidung oder modische Accessoires. Und es scheint zu funktionieren – Herzchen und kleine Glitzer-Prinzessinnen wirken anziehend wie ein Magnet. Nur hat eine Lillifee-Tasse eben keinen Magneten in sich.

Aber die Kinder wollen das doch! Sie suchen sich das doch selbst heraus! – Das glaube ich nicht. Als meine Tochter geboren wurde, hat sie nicht gesagt, dass sie jetzt was pinkes möchte. Sie hat auch nicht nach meinem pinken Kettenanhänger gegrapscht, ich hatte nämlich gar keinen um. Ich habe Manou nicht an pink gewöhnt.

Pink als Nebeneffekt

Menschen können sich an vieles gewöhnen und Kinder erst recht. Sie sind Meister im Anpassen. Ständig werden sie angepasst – an unser Wollen, unsere Rhythmen, unsere Sprache, unsere Tätigkeiten, unser Denken. Wir passen die Kinder an uns an. Wir wollen arbeiten, Geld verdienen, Aus- und Schlafenszeiten. Wir denken in Mustern und bewerten, wir sprechen vor und erziehen. Wir ziehen die kleinen Menschen in eine Richtung. Und überall wird gezogen, Zöglinge. Wie Kresse vom Balkon. Denn das nützt uns. Es macht das Leben leichter, sorgt für Ruhe und Ausgeglichenheit. Gleichheit. Denn wer will schon ständig gegen den Strom schwimmen und damit immer wieder anecken? Bei Freunden, Familie, Tanten und Bekannten, sich wieder und wieder erklären (müssen) und zum Außenseiter werden? Das kostet auf Dauer viel zu viel Anstrengung und davon hat jede Mutter genug. Das heißt aber nicht, dass wir uns weiterhin an den ganzen Affenzirkus gewöhnen müssen! Denn wer sich darüber freut, wissen wir doch allesamt: für Hersteller und Großkonzerne ist es ein leichtes, uns müde, ausgebrannte und blinde Passagiere wie kleine Supermarios durch ihre Tunnel hüpfen zu lassen.

Pink ist out

Pink wird gemacht! Sie hat eine ganz bestimmte Wirkung auf uns. In den traditionellen Farbenlehren haben sich u.a. Menschen wie Goethe damit beschäftigt. Wie wir eine Farbe wahrnehmen, hat mit der für sie typischen Wellenlänge und Energie zu tun, die sich auf unseren Körper überträgt. Demnach hat sie seelische Auswirkungen, d.h. unser Farbempfinden wirkt auch auf unsere Psyche. Ein interessantes Beispiel dafür ist die Farbtherapie. Es gibt aber auch psychologische Farbtests, deren Erkenntnisse gezielt in der Werbung und im Marketing eingesetzt werden. Die Deutsche Telekom hat sich ihr pinkes Logo als Farbmarke schützen lassen. Und heute steht pink im allgemeinen nicht mehr für spirituell, harmonisierend oder heilend. Viel mehr ist es ein Symbol für süß, mädchenhaft oder dolly.

Dieser Artikel hat 27 Wörter in pink. Wie wär´s mal mit grün?

6 Kommentare auf “Warum immer Pink? Über das Ausmaß der Pinkifizierung

  1. ich habe meine ersten zwei Töchter, beide rothaarig, die ersten Jahre in gelb/grün/blau/u.ä angezogen. Als die Älteste 4 war bin ich eingeknickt und habe ihr die ersehnte Farbe Rosa/Pink/lila gegönnt. Und auch wenn ich mich erst daran gewöhnen musste, schliesslich passt rotes Haar wirklich nicht dazu, habe ich sie machen lassen. Weil ich mir sagte, lieber jetzt als später. Irgendwann kommt die Phase und es ist einfacher sie durchzuleben wenn alle so angezogen sind. Und siehe da, ab 10 Jahren waren wir durch – und zwar bei beiden Töchtern! Die Zwillinge habe ich von Anfang an so angezogen und zu meinem eigenen Entsetzen finde ich es ja total süss! Sie sind nun 5 Jahre alt. Auch bei ihnen wird es sich auswachsen und normalisieren:-)
    PS: im Schrank habe ich eigentlich fast die ganze Farbpalette, ausser Schwarz, und es gibt Tage da ziehen sie sich blau oder grün an – je nachdem kombiniert mit Pink…

    1. Hi 🙂 Ich finde es schön, wie du es gemacht hast und auch, dass Kinder ruhig selbst entscheiden sollen, in was sie sich wohlfühlen. Letztendlich ist es ja wie mit den verbotenen Sachen – diese werden dann besonders interessant. Und pink deshalb komplett aus der Palette zu streichen wäre doch auch schade, immerhin kommt sie in der Natur vor, wie alle anderen Farben auch. Doch du hast deine Töchter nicht von Geburt an im Überfluss daran gewöhnt, daher kann man da wirklich von einem eigenen Geschmack sprechen. Und das ist ja nicht immer so üblich… Was aber Schwarz angeht, so könnte man darüber auch nochmal einen ganzen Artikel schreiben! Liebe Grüße

  2. Stimmt…wir haben auch alles in pink und Rosa geschenkt bekommen. Meiner Tochter steht dir Farbe garnicht so gut…wir nehmen Pastell Farben, blau und grün
    Ein Ananasgelb 🙂
    Liebe Grüße

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