Freilernen, Gender-Diskurs, Salutogenese, Gutmedien und Herzlichkeit

Vorletzten Samstag, am 22.10.2016, fand in Heidelberg die 6. Empathie-Konferenz statt. Geladen waren prominente Gäste aus Forschung, Medien und Medizin, wie z.B. Deutschlands bekanntester Hirnforscher und Neurobiologe Prof. Dr. Gerald Hüther, Aktivistin und Netzfeministin Anne Wizorek, Michael de Ridder, ein Oberarzt und Medizinsoziologe, Spiegelredakteurin Corduly Meyer und Konstantin Wecker, beliebter Schriftsteller, Musiker und Künstler. Mit dieser vom Deutsch-Amerikanischen Institut geförderten Veranstaltung lagen die Themen durch ihre Vertreter klar auf dem Tisch: Freilernen, Gender-Diskurs, Salutogenese, Medienneutralität und Herzlichkeit.

Klar musste ich dorthin. Sind das die neuen Themen, ich meine auch in der Öffentlichkeit, in den Medien, so ganz offiziell jetzt? Unglaublich, aber – JA! Es gab da gerade wirklich eine Veranstaltung mitten im Stadtzentrum, in einem renommierten Haus, die sich all diese Themen zum Kernpunkt gemacht hat, monatelang angekündigt und restlos ausverkauft war. Da muss man Deutschland doch mal loben! An dieser Stelle bin ich dankbar, dass wir in einer Demokratie leben, die uns das erlaubt und genau dort müssen wir auch einsteigen und weiter mitmachen, da, wo Menschen bereits anfangen, sich zusammen tun und die Dinge verändern wollen, toll! Natürlich war ein Haufen Presse da und man hat es ganz richtig gemacht, dass man bekannte Persönlichkeiten für diese wichtigen Hauptthemen, mit denen sich unsere Gesellschaft beschäftigen soll, eintreten lässt. Denn noch bis vor kurzem, so scheint es, stand freies lernen oder home schooling unter Strafe, wurden Jungs und Mädchen in ihre Rollen gedrückt, konnten Pharmakonzerne so richtig kassieren, hat die Mehrheit der Bürger sich nur über die großen Medien informiert und Menschen lieber rational-ökonomisch, als mit dem Herzen gedacht. Ist das nicht eine Wende?

20161022_120216Internetstar Anne Wizorek über die Pinkifizierung von Mädchen und Jungs

Generaldirektor des Gastgebers, dem Deutsch-Amerikanischen Institut, sagte in seinen ankündigenden  Worten vor Prof. Dr. Gerald Hüther: “Was wir brauchen, sind Charaktere! Aber lässt sich das mit Schule überhaupt machen? Das war die Frage, deshalb haben wir die 6. Empathie-Konferenz ins Leben gerufen, die im Rahmen des Geist Heidelberg-Festivals statt findet, was ja kein Festival in diesem Sinne ist, sondern ein Aufruf zum umdenken, dazu, Kunst und Wissenschaft im Dialog zusammen zu bringen.”

Der Publikumsliebling, Gerald Hüther, durfte diese Worte mit seinen eigenen abnehmen und bot dem vollen Saal eine unterhaltende und tiefsinnige Performance. Sein Aufruf: keine vorgefertigten, von Erwachsenen strukturierten Entwicklungen! Er findet es mutig, dass es Veranstaltungen wie diese Konferenz gibt, die sich damit beschäftigen, mit welchem Geist wir eigentlich unterwegs sind.

20161022_102430Prof. Dr. Gerald Hüther während seines Vortrags

Was macht den Menschen aus? […] Auch das lernen! Denn wer oder was nichts mehr lernt, ist tot. Und deshalb ist es schlimm, wenn man jemandem die Lust am lernen versaut, dann versaut man ihm nämlich auch die Lust am Leben!”

Mit solchen harten Worten spricht der Experte nach seiner sanften Einleitung nun noch zweimal, denn er meint es wirklich ernst: “Was sind denn das für Bildungssysteme, die solche Schweine hervorbringen? Wir müssen uns fragen, wofür wir eigentlich unterwegs sind, worauf es im Leben ankommt und wie wir ein menschenwürdiges Leben führen. Es kommt keiner als Schwein auf die Welt. Wir kommen als begeisterte kleine Menschen auf die Welt und haben ein unglaubliches Bedürfnis, die Welt anzuschauen und alles mögliche auszuprobieren.” Er redet vom Wettbewerb, dem Wirtschaftssystem und all den Egoisten, die davon profitieren.

Zu dem Thema Warum spielen für Kinder so wichtig ist habe ich hier bereits etwas geschrieben. Auch Prof. Hüther ist das wichtig und er appelliert an alle, die mit Kindern zu tun haben: “Wenn man das Kind nicht spielen lässt, sondern ihm sagt, was es spielen soll, hört das freie, natürliche Spiel auf. Im Spiel muss alles möglich, alles offen sein. Wenn man einem Kind Spielsachen schenkt, also selbst pädagogisch durchdachte “Geräte”, bei denen das Spiel schon vorgegeben ist, lernt das Kind nur die Bedienung.” Und zum Thema Schule: “Auch bei Angst und Druck hört das spielen auf.”

Ein Mann wie dieser ist derzeit einer der führenden Köpfe in der deutschen Wissenschaft. “Kinder sind Gestalter ihres eigenen Lernprozesses, ihres eigenen Lebens! Und deshalb müssen wir Gemeinschaften bilden, in denen man sich nicht mehr gegenseitig fest bindet, so dass man nicht mehr fliegen kann, sondern hilft, “in die Kraft” zu kommen!”

Hüther ist der Meinung, dass wir nochmal lernen müssen, anders miteinander umzugehen und die Potentiale, Talente und alles, was in uns ist, frei zu lassen, zur Entfaltung zu bringen. Nur so seien wir  endlich in der Lage, zu begreifen, wer sie sind und das auch unseren Kindern zu ermöglichen. Wir sollen herunter kommen von den unterschiedlichen Ebenen, sollen mal schauen, was eigentlich so an Talenten in dem anderen, mit dem wir es zu tun haben, verborgen ist und unser Mitgefühl, die Empathie für all das nutzen.

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