Natürlich lernen: warum spielen für Kinder so wichtig ist

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Der natürlichste Lernapparat

Das Spielen ist für ein Kind der beste Lernapparat überhaupt. Richtig! Ein Apparat fürs lernen – dieser muss gar nicht erst noch erfunden werden, es gibt ihn bereits. Das Kind ist – wir alle waren es! – von Natur aus damit ausgestattet. Perfekt. Dass das so ist, wurde vielfach wissenschaftlich erwiesen und bestätigt – interessant sind hier z.B. die Forschungen und Aussagen von Prof. Dr. Gerald Hüther, dem bekanntesten deutschen Hirnforscher. Fatal ist nur, dass es trotzdem dazu kommt, Kinder irgendwann nicht mehr “nur” spielen zu lassen, sondern sie mit etwas sinnvollem meinen, beschäftigen zu müssen – sie zu “bilden”, in Institutionen zu stecken, sie zu belehren und zu erziehen. Natürlich nach den Maßstäben der Erwachsenen.Wie kann es bloß dazu kommen? Warum sehen wir nicht, was das Kind leistet, welch unglaubliche Fähigkeiten es sich bereits nach kurzer Zeit aneignet, zu welchen Hochleistungen es in der Lage ist und diese ununterbrochen täglich fortsetzt?

Hierzu möchte ich gern auf einen sehr interessanten Menschen verweisen. André Stern ist ein Kind, welches sein Leben lang nur spielen durfte. Was dabei herausgekommen ist, ist ganz außergewöhnlich. Obwohl er und seine Fähigkeiten doch die eines so gewöhnlichen Kindes, wie alle anderen auch, waren.

 

“Das Spiel ist die höchste Form der Forschung.” – Albert Einstein

Mit diesem Zitat beginnt das neue Buch von André – Spielen, um zu fühlen, zu lernen und zu leben. Es verdeutlicht noch einmal mit Nachdruck und in aller Klarheit, wie essentiell das spielen für ein Kind ist – wie sehr und wie viel Kinder durch ihr eigenes Spiel lernen und wie wichtig es damit für eine gesunde und rundum ausgewogene Entwicklung, in jedem Bereich, ist. Wie Erwachsenen degradieren das spielen, weil wir nicht wissen, dass es gleichbedeutend mit lernen ist. Und es ist für uns, auch nach mehrmaligem lesen darüber, nach wie vor noch schwer nachzuvollziehen, dass das wirklich alles so ist, so sein soll – sind wir doch alle belehrt wurden, unterrichtet wurden, in der ständigen Absicht oder vielmehr Angst, es könnte nichts aus uns werden. Ich kann nur allen, die irgendwie mit Kindern zu tun haben, dringend ans Herz legen, sich wirklich einmal darauf einzulassen, zu beobachten, was genau alles passiert, wenn (d)ein Kind spielend in etwas versunken ist, einfach nur stiller Teilhaber zu werden und mit dem größtmöglichen Einfühlungsvermögen bewusst zuzuschauen, welche Prozesse in diesem Moment ablaufen, welche Entdeckungen gemacht werden – ganz offen, unvoreingenommen, urteilsfrei.

Wie kann man am besten mit Kindern (mit-) spielen?

  • Lass dein Kind spielen! Also: nicht unnötig/ sinnlos einmischen (erst denken!), kein ständiges (be-)werten (loben, vergleichen, kommentieren usw.)
  • Nicht unterbrechen oder ablenken (z.B. mit Essen oder sinnlosen Fragen)!
  • Für Fragen und Anliegen immer offen und v.a. wirklich da sein.
  • Die Interessen des Kindes erkennen, ernst nehmen und ihnen nachgehen (wenn es z.B. etwas wissen möchte, ehrlich antworten, im Lexikon/ Internet nachschauen, das kind einbeziehen usw.)
  • Vorbild sein! Echte Kreativität ist gefragt (also z.B. nicht fernsehen, sondern aktiv statt bequem sein, sich etwas ausdenken, machen, mitmachen, leben)

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Spielzeug

Ich bin weder für noch gegen Spielzeug im allgemeinen. Natürlich gibt es schönes, inhaltsreiches und auch völlig sinnloses Spielzeug, doch ich möchte meinem Kind weder etwas verbieten noch vorenthalten. Trotzdem muss man wissen: die Gerüche, Materialien, Farben und Formen bestimmen die späteren Vorlieben eines Menschen unbewusst mit, sind also sozusagen prägend. Aus diesem Grund bevorzugten wir als Eltern z.B. natürliche Materialien und harmonische Farbabstimmungen bei Spielsachen in unserem Haushalt bzw. für unser eigenes Kind. Sind wir woanders zu Gast, würden wir jedoch nie sagen: “Damit darfst du nicht spielen”, weil das z.B. schwarz oder aus Plastik ist.

Wir selbst haben nie Spielzeug für unser Kind gekauft. Wir sind nie in eine Spielwarenabteilung gegangen und haben uns dort etwas ausgesucht oder unser Kind etwas aussuchen lassen. Spielzeug hat sich bei uns ganz schnell zusammengesammelt, so wie jeder Haushalt täglich um ein paar Kleinigkeiten wächst, wenn man nicht aufpasst. Besonders viel gibt es immer von Familie, Verwandten und Bekannten. Hätten wir da immer alles schweigend in den kleinen Kinderhaushalt wandern lassen, wäre dieser nach einiger Zeit pink und aus Plastik gewesen. Wir hätten das Kind damit konditioniert, bzw. die Außenwelt tut es, indem sie Kinder so “beschenkt” und als Eltern muss man da unserer Meinung nach schützend eingreifen. Daher haben wir unsere eigene Strategie entwickelt:

  • Sei wählerisch

Besonders für Kinder gibt es so viel Schrott, dass wir es wichtig finden, hier nicht wahllos oder aus Höflichkeit alles anzunehmen, sondern auf Inhalt zu prüfen.

  • Weniger ist mehr

Es lohnt sich, Spielzeug immer mal auszusortieren oder nach und nach zu erneuern. Es ist Zeit, wenn nicht mehr damit gespielt wird oder es nur noch herum liegt, alles vermischt ist oder unvollständig, Teile fehlen, kaputt sind usw. Manchmal hat das alte auch einfach ausgedient und etwas neues, forderndes muss her. Und natürlich muss man soetwas nicht heimlich, sondern kann es durchaus mit dem Kind gemeinsam tun.

  • Spiele selbst machen

Besonders während unserer Zeit im Dschungel, als wir nichts dergleichen hatten, habe ich mit Manou einfach alles selbst gemacht. Dabei sind u.a. vier Memoryspiele, ein Würfelspiel und ein “Museum” entstanden. Aber auch alles mögliche andere kann man selbst machen, man muss nur kreativ sein. Allein der Prozess der Entstehung, das machen, ist für Kinder schon so schön und bringt auch uns in eine andere Stimmung.

  • Spieleverleih, Spielausleihe

Wie viel Spielzeug verstaubt eigentlich kistenweise auf diversen Dachböden? Wie viele Kinder gibt es und wie viele Erwachsene kaufen immer wieder neues Spielzeug? Dazu ist einem Jugendkulturzentrum in Mannheim etwas tolles eingefallen, die “Spielema”, eine kostenlose Ausleihe von über 300 Spielen. In der neuen Generation der Sharing Community ist das eine der echten Marktlücken, denn die Idee ist nachhaltig (nicht mehr so viel Müll, keine überfüllten Kinderzimmer!) und man kann das Spielzeug jederzeit tauschen und anderen zur Verfügung stellen, anstatt es später wegzuschmeißen oder teuer zu recyceln.

p1020595alte aussortierte Bohnen hat sich Manou zum spielen geschnappt

Der Zauber der Begeisterung

Es gibt dieses wunderschöne Sprichwort darüber, dass man die innere Flamme des Kindes nicht entzünden, sondern stattdessen lieber darauf achtgeben muss, dass man sie nicht erlischt.

Was ist damit eigentlich gemeint bzw. wie geht das? Der Schlüssel dazu ist: Begeisterung! Jeder sieht und weiß, dass Kinder die Welt mit anderen Augen entdecken. Sie sind dabei so hingerissen, ganz im hier und jetzt, frei von irgendwelchen Vorurteilen oder Wertungen. Sie sind fasziniert, beobachten, saugen auf, sind neugierig und so begeistert! Diese natürliche Begeisterung ist etwas ganz besonderes, denn vielen Erwachsenen ist sie bereits abhanden gekommen. Viele Menschen können sich gar nicht mehr für etwas wirklich begeistern, weil sie unfrei sind, voller Sorgen, lethargisch oder desinteressiert. Sie würden vielleicht gern ein Instrument spielen lernen, stehen aber nicht mehr mit großen, leuchtenden Augen vor dem Straßenmusiker, der Gitarre spielt und fragen sich, warum er soooooo lange Fingernägel an der rechten Hand hat, mit der er die Saiten zupft. Diese Begeisterung, dieses Feuer, ist der eigentliche Antrieb für jede Beschäftigung und jedes echte Interesse. Alles, was mit Begeisterung erfahren wird, bleibt auf natürliche Art ein Leben lang hängen und ist damit der Schlüssel für natürliches lernen bzw. spielen.

Wie kann man diese innere Flamme also am leuchten erhalten, was kann man machen?

Man muss Kinder einfach ernst nehmen. Sich Zeit nehmen. Unser schnelle Gang zum Supermarkt hat auf diese Weise manchmal drei Stunden gedauert und irgendwann habe ich diese einfach immer dafür eingeplant. Dein Kind findet kochen interessant? Meins auch! Ich habe mich entschieden, keine Kinderküche zu kaufen, sondern echt zusammen zu kochen. Mit echten Zutaten, die man schälen, schneiden, mischen darf. Das dauert natürlich und macht Dreck – und ja! Natürlich geht es auch nicht immer. Aber schön ist doch, was am Ende dabei heraus kommt. Für mich bedeutet das auch, Vertrauen zu schenken, Verantwortung! Mein Kind darf sich dann natürlich auch mit einem echten, silbernen Messer ein Brot schmieren. Ich achte dabei nur darauf, dass das Messer stumpf ist und dieses dann zum “Kindermesser” wird. Aber ob die Butter dabei Löcher bekommt und zerkratzt wird, ist mir wirklich egal, denn ich weiß, welchen Gewinn auch ich langfristig davon habe, wenn ich jetzt nichts sage, das einfach passieren lasse! Und im übrigen ist das beim malen genauso – dort hat es sogar fatale Folgen, wenn man das Malspiel des Kindes stört, kommentiert und dadurch kaputt macht! (Mehr dazu in meinem Artikel Was man über Kinderbilder wissen sollte!)

Spielen heißt lernen, spielen ist lernen. Spielend lernen – lesen wir so oft, überall. Spielend leicht. Wer spielt, lernt, also lass dein Kind einfach spielen. Hab Mut, hab Vertrauen! Dann kommt alles von selbst, du musst es nur einmal versuchen. Und noch einmal: “Das Spiel ist die höchste Form der Forschung.” –  Albert Einstein.

p1010060Manous Werk mit etwa 1,5 Jahren

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