Was mein Kind mich täglich lehrt: Liebe. Bedingungslos.

Es klingt so leicht und ist für die meisten von uns doch echt eine harte Nuss. Wer kann schon bedingungslos lieben? Was heißt das überhaupt? Richtig echt lieben, voll und ganz, ohne zu erwarten, ohne Ansprüche zu stellen, ohne Hemmungen, ohne Hass, Eifersucht, Neid. Deine Kinder, deinen Partner, deine Freunde, Ex-Freunde, Familie, Kollegen, Schwiegereltern, Vorbeigehende. Klingt verrückt? Naja, vielleicht ein bisschen. Aber nur, weil wir es nicht kennen. Und ich finde, es kann ein Ziel sein. Ein mächtiges, denn the power is love.

Kinder können das. Zummindest wenn sie noch wirklich Kinder sind, denn mit zunehmendem Alter verschwindet diese Fähigkeit, weil sie durch die Erwachsenen, uns, zerstört wird. Wir projizieren unsere Emotionen, unsere Haltungen, unsere Einstellungen in die Kinder, wir manipulieren sie dadurch. Und irgendwann kommt dann der große Knall, an dem sie es fühlen, es satt haben, ausbrechen und sich von uns lösen – wollen, müssen. Pubertät nennen wir das zuerst. In meinen Ohren klingt das ziemlich abwertend. “Er ist gerade in der Pubertät.” Als ob man sich dafür entschuldigen müsste, endlich wieder normal zu werden.

Ja! Ich kann gut reden – jetzt, denn unser Kind hat ja noch ein paar Jahre Zeit bis dahin. Und doch kann ich mir vorstellen, dass das mit dem ablösen und dem Rebellentum absolut hausgemacht ist, dass es Pubertät eigentlich gar nicht geben müsste. Wieso sich lösen und frei machen, wenn man immer schon frei war und es nach wie vor ist? Wieso rebellieren und ausbrechen, wenn man schon immer ernst genommen und akzeptiert wurde, so, wie man ist? Wieso sich in fremde Dinge, Sachen, Menschen flüchten, wenn die Liebe, die Anerkennung, nach der sich doch jeder mensch sehnt, schon immer da war und nach wie vor ist, jederzeit, ohne Grund, bedingungslos?

Kinder sind uns voraus, sie lieben bedingungslos

Warum lieben Kinder bedingungslos, wie geht das? Sie werten nicht, sie urteilen nicht. Erst wir Erwachsenen bringen das in ihr Leben. Manou liebt ihre Mama, ihren Papa, den kleinen Monte (auch wenn der sie immer haut und mit Sand bewirft). Sie liebt mich, auch wenn ich mal genervt bin, sie liebt die Tiere – und zwar alle Tiere! Und genau da kann man es schon beobachten. Menschen, Erwachsene, von außerhalb, bringen ihre Ängste in das Kind. Anstatt ruhig zu bleiben, schreit die Schwiegermutter bei einer Spine auf und macht dazu ein Geräusch des Ekels. Die andere Oma fürchtet sich vor Raupen und Krokodilen und erklärt dem Kind, warum man sich vor ihnen in Acht nehmen muss. Seit meine Freundin das Bild des gefährlichen Lesarts, der Katzenbabies frisst, kreiert hat, trägt auch dieses Tier einen schwarzen Stempel.

Durch unsere Bilder, unsere Vorstellungen, ertrinken wir den reinen Geist, die saubere Essenz der kindlichen Gefühlswelt, in grauer Suppe aus Matsch. Weil wir so früh damit anfangen – zu tun, zu handeln, zu richten, zu werten, zu machen, zu deuten, zu kommentieren, zu manipulieren, zu kreieren, zu zertrampeln, zu manifestieren. Mädchen zieht man rosa und pinke Sachen an, Jungs bekommen blaues. Mädchen schenkt man Mädchenzeug mit Sternen, Glitzer und Schmetterlingen, Jungs das raue, harte, dunkle Zeug. Aber was hat das jetzt alles mit bedingungsloser Liebe zu tun? Alles. Vertrauen, Hingabe, Verzeihen, Neugier, Offenheit. Aber ja, in erster Linie Vertrauen.

Vertrauen und Respekt – an alle, die irgendwie mit Kindern zu tun haben

Die Regeln sind die gleichen wie beim Partner, d.h. man muss sich nur überlegen, ob man so mit seinem Partner umgehen würde oder nicht. Das setzt voraus, dass man sich gegenseitig ernst nimmt – und viele Menschen nehmen ihre Kinder eben nicht ernst. Warum? Weil sie glauben, sie stünden über ihnen, zummindest sagen alle Eltern, dass sie mehr Erfahrung haben, als das Kind. Das stimmt so nicht. Spirituell gesehen, kann die Seele vom Kind älter und damit erfahrener sein, als die vom Erwachsenen. Pragmatisch gesehen, kann man natürlich sagen, ja, wenn man sich z.B. eine Situation im Straßenverkehr vergegenwärtigt. Da hat der Erwachsene natürlich in dem Moment mehr Erfahrung oder einen weiteren (Über-)Blick. Kinder ernst zu nehmen heißt aber eben nunmal genau das gleiche, wie beim Partner: ihn zu respektieren, ihn frei zu lassen. Wie soll sich jemand frei entwickeln, wenn er – nicht von außen, sondern von anderen Menschen! – immer wieder Grenzen gesetzt bekommt? Grenzen setzen bedeutet, den Ausbruch verhindern, ihn zu kontrollieren. Kontrolle über etwas ist Beherrschung. Niemand sollte versuchen, einen anderen zu beherrschen. Und Kinder zu beherrschen gleicht einer Vergewaltigung.

Bedingungsloses Lieben heißt vertrauen, sich wirklich einfühlen, Respekt, Verständnis und frei werden vom eigenen Ego.

Ohne Ego zu lieben heißt unter Umständen, dass man nichts zurückbekommt und auch nichts erwartet. Den anderen so lässt, wie er ist, ihn nicht versucht, zu bedrängen, zu verbiegen oder zu ändern. Man liebt einfach so, ohne Grund, aus purem Zufall, rein aus kosmischer Liebe. Und das heißt, man muss den anderen frei lassen, selbst frei werden bzw. selbst leben und leben lassen.

Angst oder Liebe

Und in Wirklichkeit stecken viel tiefere Muster dahinter, dass es uns Erwachsenen so schwer fällt, uns wirklich fallen zu lassen – wir wurden nämlich fallen gelassen. Wir haben vertraut, uns komplett fallen gelassen – und sind gefallen. Unser Urvertrauen wurde irgendwann als Kind erschüttert. Wir können uns nicht mehr daran erinnern, aber schon unsere Eltern hatten Angst davor, uns frei zu lassen, uns blindlinks zu vertrauen, uns entscheiden zu lassen. Die Angst ist in allen, die irgendwie mit Kindern zu tun haben, ganz groß. Angst, zu versagen, Angst, zu scheitern, Angst, nicht anerkannt zu werden, Angst vor Misserfolg. Angst, das Kind nuckelt mit fünf Jahren immer noch – also lieber abstillen, keine Schnuller. Angst, das Kind könnte nicht früh genug selbständig werden – also schnell in den Kindergarten/ die Krippe. Angst, das Kind erreiche nichts im Leben, also ab in die Schule. Angst, das Kind würde ein unhöfliches, also lieber zur Höflichkeit ermahnen, erziehen. Unser Urvertrauen in den natürlichen Werdegang der Dinge und des Lebens müssen wir erst wieder lernen. Kinder haben es von Geburt an.

Ich habe immer darauf vertraut, dass mein Kind von selbst aufhört, Muttermilch zu trinken. Dieses Vertrauen war mir immer wichtiger, als die Kritik um mich herum dafür, dass ich nach zweieinhalb Jahren noch stille. Ich habe immer darauf vertraut, dass mein Kind kein Fleisch essen würde, wenn ich ihm ehrlich davon erzähle, was es damit eigentlich auf sich hat (denn jedes Kind liebt Tiere). Ich habe immer in den Körper, die inneren (Selbstheilungs-)Kräfte meines Kindes vertraut, nein, ich habe sogar großen Respekt davor! Und deshalb ist es mir wichtig, dieses Wunderwerk zu bewahren, ganz zu halten, zummindest nicht von außen kaputt zu machen. Und ich vertraue auch absolut in die gesunde Entwicklung dieses jungen Menschen, denn er wird selbst wissen, was gut für ihn ist, was er braucht, was er möchte – auch, wenn ihm sogenannte selbst ernannte Autoritäten etwas anderes einreden. Ich habe keine Angst vor falschen Autoritäten – mein Kind wird sie erkennen und seine eigenen Wahrheiten finden.

Und auf diesem Weg werde ich es immer begleiten, liebend, bedingungslos, wertschätzend. Damit es frei bleibt und wird – und ich auch.

Wir tragen eine enorme Verantwortung. Nämlich die, etwas anderes zuzulassen als das, was wir kennengelernt haben und gewohnt sind. Unsere Welt braucht Heilung. Und Heilung kommt nur durch Liebe. Die Probleme der Welt kann man nicht durch das lösen, wodurch sie entstanden sind. Leben heißt Veränderung und Fortschritt bedeutet Wandel. Und um das zu begreifen, müssen wir uns wirklich geistig öffnen, neues zulassen können. Ein neues Bewusstsein erlangen. Grenzenlos. In Liebe.

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