Weniger ist mehr – und die Herausforderungen des Alltags

Manchmal denke ich, dass ich noch einen zusätzlichen Job habe, der nirgends aufgeführt ist und mich sehr viel Zeit kostet: Entrümplerin. Dazu muss ich sagen, dass wir sehr sparsam leben und für eine Familie nicht sonderlich viele Dinge zu Hause haben. Und trotzdem wird es immer mehr! Wir verkleinern uns ständig – und das hört nicht auf. Minimalismus als Lebensstil finde ich toll. In der Tat braucht man ja wirklich nicht viel. Die Tage, die ich komplett draußen verbringe mit nichts weiter als meinem Wohnungsschlüssel in der Tasche, sind eigentlich meine besten. Und obwohl ich das weiß, packe ich doch lieber eine Tasche oder einen Rucksack. Schlüssel, Geld, Handy, was zu trinken, zu schreiben, Windeln, Lesestoff müssen rein. In letzter Zeit auch eine Kamera, denn die ist wieder ganz. Und von draußen kommt jeden Tag was neues rein, erst in die Tasche, dann in die Wohnung. Flyer, kleine Heftchen, Karten oder Kärtchen, Verpackungen, interessantes, gefundenes, gekauftes. Neues. Zusätzliches. Zeug, das verstopft.

Die Anderen

Am zeitaufwändigsten sind die Geschenke. Vor zwei Jahren haben wir ein pinkes Bobby Car bekommen. Das streichen mit türkisblauer Malerfarbe, anschließendem trocknen, besprühen mit Lack und Veredelung hat geschätzte zwei Stunden auf dem Dachboden gedauert. Das Übermaß an (pinken) Kleidungsstücken, die immer wieder unseren Haushalt überfluten und deshalb verschenkt und verkauft werden müssen, nehmen mir Zeit für das, was mir eigentlich Spaß macht.

Spielzeug

Vor Weihnachten haben wir etwas interessantes gemacht. Meine Freundin Elli erzählte uns von einem Elternpaar, dessen Kinder kein Spielzeug haben. (Gemeint sind hier extra für Kinder entworfene Spieldinge, die man kaufen kann – Spielzeug wird im Kinderalltag ja letztendlich alles mögliche und ist somit auch überall vorhanden.). Kurz vor Weihnachten schlug ich unserer Tochter also vor, ein paar Dinge auszusortieren. Immerhin gibt es bald wieder Geschenke und wir könnten im Gegenzug etwas abgeben. Gesagt, getan. Wir stellten einen Pappkarton auf und sie räumte fast ihre gesamten Spielsachen dort hinein. Mein Reden, doch nicht alles müsse weg, war ihr gleichgültig. Die Kiste wurde voll. „Möchtest du das denn wirklich alles nicht mehr haben? Soll ich das wirklich in den Keller bringen?“ – „Ja.“ – „Okay, dann bringen wir es in den Keller. -Pause- …wir können es ja jederzeit wieder holen…“ – Ein kurzes trockenes „ja“. Und die nächste Beschäftigung folgte. Sie hat nie wieder nach den Sachen gefragt. Es waren allesamt recht hübsche (Holz-)Spielzeuge. Die Murmelbahn ist da geblieben. Und die Puzzle, alle Bücher, Instrumente, Bausteine. Der Maltisch mit den Malsachen. Ein bisschen Kleinkram.

Wir haben das in fast drei Jahren nun zweimal gemacht und es gibt wieder mehr Klarheit. Unser Kind macht am liebsten, was wir auch machen. Kochen. Schreiben. Backen. Wäsche aufhängen. Musik. Sie denkt sich Spiele aus und erzählt Geschichten, tobt rum oder vertieft sich in etwas, sammelt Steine, Kräuter und Stöcke, malt, bastelt, bügelt, ist unterwegs.

 Zeit statt Zeug

Dinge machen mich unglücklich. Gegen Dinge an sich habe ich nichts, denn ich kann auch wunderbar mit ihnen zurechtkommen, mich in ihnen wohlfühlen. Aber in unserem Zuhause mag ich es gern klar und schlicht. Besonders, da seit der Geburt auch aus wenigen Dingen täglich ein riesiges Chaos entsteht! Und ich sage es allen immer wieder, auf die Frage, was man uns denn (statt Geld und Gutscheinen) mal schenken könnte, ob es nicht irgendetwas gibt, was wir gebräuchten – was die Kleine braucht! – „Das ist wirklich lieb, vielen Dank! Aber wir brauchen gar nichts, wirklich! Wir haben doch alles, was wir brauchen und ohne Zeug fühlen wir uns einfach wohler!“ – „Aber wir machen es doch gern! Na, dann überlegen wir uns eben mal was für euch…“

Okay. Dann mache ich es anders. An alle Eltern, Großeltern, Tanten und Verwandten: hier kommen meine Tipps für wirklich gut gemeinte Geschenke, für die wir uns nicht höflich oder schlechten Gewissens bedanken, über die wir uns freuen, die bestimmt nicht im Müll landen und erst recht nicht weiterverschenkt werden, denn ja, diese können wir wirklich gebrauchen, wenn sie von Herzen kommen! Auf der Internetseite Zeit statt Zeug sind solche tollen Ideen gelistet, die ich hier gern erwähnen möchte und um eigene ergänze. Was könnt ihr jungen Eltern schenken, was würde sie und die Kinder wirklich erfreuen?

  • Basteln, statt bestellen oder kaufen! Was kann man nicht alles selber machen?
  • Fotoalben basteln, Fotos angucken (statt immer nur knipsen) – das wird ein schöner Abend!
  • Einen Waldspaziergang! Wo unsere Kinder doch in Großstädten aufwachsen und wir uns nach Landluft sehnen.
  • Stricken, häkeln, nähen, klöppelnbeibringen! Das haben wir dann bestimmt ein Leben lang im Schrank oder zumindest als schöne Erinnerung.
  • Kochabend / Pancakes-Brunch/ Teestunde im alten Wohnzimmer mit erzählen von früher
  • Frühstück vor der Tür 🙂
  • Etwas reparieren. Was geht hier  nicht alles kaputt und soll für uns auch nicht neu hergestellt werden!
  • Bauernhof-, Wildpark- oder Zoobesuch! Da kann auch das schönste Kuscheltier nicht mithalten.
  • Bücher sind toll, aber wie wär´s mal mit vorlesen? Darüber freuen sich nicht nur Kinder!

Den für mich persönlich schönsten Tipp möchte ich hier zum Schluss zitieren:

  • Bring […] einen kleinen Stein mit und erzähl ihr zum Beispiel die Geschichte vom „verzauberten Stein“. […] spiel ein Puppentheater vor. Die Überraschung und Freude wird riesig sein.“ (www.zeit-statt-zeug.de)

Zum Abschluss

Aber ich möchte fair bleiben. Ohne das Bobby Car hätten wir keinen tollen Bastelnachmittag gehabt. Und auch keine stundenlangen Bobby Car- Fahrten durch die Stadt. Ohne Zeug kein ausmisten und das befreiende Gefühl danach. Ohne pinke Geschenke keine Geschenke für die anderen.

Schlafen

Weniger ist weniger. Immer zu wenig.

2 Kommentare auf “Weniger ist mehr – und die Herausforderungen des Alltags

  1. Sehr schöner Beitrag! Ich liebe das Ausmisten und den Zustand der Wohnung danach. Wir machen das sehr häufig, immer in kleinen Schritten.
    Wie das in der Familie bei uns klappt, habe ich auch aufgeschrieben (neben weiteren Posts):
    https://mamaskind.de/lifestyle/wohnen/kinderzimmer-ausmisten-spielzeug/

    Das mit der Belehrung klappt bei uns übrigens auch nicht so wirklich. Vor allem bei Süßigkeiten nicht (die wir zu 90 % verschenken). Ich verstehe es nicht. Es ist schade, dass so viel Geld in für uns unnütze Sachen fließt.
    Weniger ist mehr, das stimmt. 🙂

    1. Hey Sarah, vielen Dank!! Ja, das Geld, was sich dabei in sinnvolleren Bergen bereits stapeln könnte, rechne ich schon gar nicht mehr zusammen… Aber hey, wir sind die neue Generation und geben nicht auf, denn DAS ist die Zukunft 😉 Ganz liebe Grüße

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