Wie du den Wandel hin zur Bildungsfreiheit selbst vorantreiben kannst

Was in fast allen anderen europäischen Ländern und Übersee längst Standart ist, kommt in Deutschland leider nur langsam in die Köpfe – der Begriff der Bildungsfreiheit. Dabei ist es längst erwiesen, z.B. laut einer Studie von Sandra Martin-Chang des Department of Education der Concordia University in Kanada, dass die Bildung der Kinder, die sich diese außerhalb der Schule aneignen, bis zu fünf Jahrgangsstufen über dem Schulniveau liegt. Sie weisen aber z.B. auch ein reiferes Sozialverhalten auf. Selbst Abitur, Studium und Ausbildung sind möglich.

Wem das unglaublich scheint, dem empfehle ich als Einstieg den Film alphabet von Erwin Wagenhofer, der sich genau mit dieser Thematik beschäftigt. Hier kommen u.a. Schuldirektoren aus Harvard/Cambridge und New York zu Wort, die bestätigen, für die Aufnahme an der Universität besonderes Interesse an frei denkenden, unbeschulten Kindern zu haben, da sich jene eben diese Kreativität und Leidenschaft, die die Schule nicht fördert, in ganz besonderem Maße erhalten konnten. In Deutschland ist es zummindest so, dass man z.B. für ein Studium der Bildenden/ Darstellenden Kunst, Sport oder Musik ein Aufnahmeverfahren durchlaufen muss, was sich nicht am Abitur oder einem Schulabschluss orientiert.

Und dass dieses – endlich auch hierzulande – neue Denken auch in allen anderen Bereichen auf dem Vormarsch ist, beschreibt Cordula Nussbaum in einem ihrer Bücher:

„Wir befinden uns auf dem Weg in ein neues Zeitalter, das jenseits des Informationszeitalters liegt: das Ideen- und Kreativzeitalter. Immer mehr Unternehmen und Regierungen wird klar, dass es heute nicht mehr in erster Linie auf Wissen und lineares Denken ankommt, sondern auf Kreativität, Erfindungsreichtum, Empathie und das Verständnis von Zusammenhängen.“*

Sie sagt auch, dass es gilt „frühzeitig in kreative Köpfe und Querdenker zu investieren und Raum für „Spinner“ zu schaffen. Wir müssen stark und gezielt eine Lanze brechen für die kreativen Chaoten, die Andere-Wege-Geher und Querdenker. Denn Gesellschaften und Unternehmen brauchen diese Vordenker und Visionäre dringender denn je. Da sind sich Zukunftsforscher und Ökonomen einig.“*

Das Wirtschaftsmagazin Brand Eins schreibt dazu: „Kein ernsthafter Ökonom zweifelt heute daran, dass Ideen und Kreativität das wichtigste Wirtschaftsgut des 21. Jahrhunderts sein werden“.

Aus meinem eigenen Metier als Künstlerin kann ich dazu sagen, dass selbst die Bundesregierung dies anerkannt und eine Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft eingerichtet hat. „Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist für die Bundesregierung eine wichtige Wirtschafts- und Wachstumsbranche. Im Jahr 2010 hat die Branche einen Umsatz in Höhe von 134 Mrd. Euro Umsatz (+2,2%) erzielt. 240.000 Unternehmen und 924.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte sind in der Kultur- und Kreativwirtschaft tätig. Zur Wertschöpfung hat die Branche mit 64 Mrd. Euro beigetragen.“**

Bildungsbegriff und Bildungsstandarts

Schüler und Schulen werden den Anforderungen, die die Zukunft an sie stellt, nicht mehr gerecht. Sie können es gar nicht, denn unser derzeitiges Schulmodell ist im 19. Jahrhundert auf das Zeitalter der Industrialisierung ausgerichtet worden und es galt, Menschen „auszubilden“, die der Maschinerie-Ökonomie dienlich waren und einfach nur „funktionierten“. Das war es, was man damals für das so gewollte Wirtschaftswachstum brauchte.

Heute ist es anders und jedem gebildeten Menschen bekannt: Wirtschaftliches Wachstum stößt in jedem Bereich an seine Grenzen, natürliche Ressourcen sind ausgeschöfpt und alle müssen sich überlegen, wie man Wohlstand und Gerechtigkeit für fast acht Milliarden Menschen auf Basis von Nachhaltig- und Ganzheitlichkeit erreichen kann.

Die Generation, die vor diesen Aufgaben steht, ist die unserer Kinder  – derer, die gerade jetzt noch das alte Bildungssystem durchlaufen und wortwörtlich daran zu Grunde gehen. Denn aus all ihren für die Zukunft wichtigen Potentialen, können sie in diesem nichts entwickeln. Dabei sollte genau das die Aufgabe von Bildungsinstitutionen sein, zummindest wenn sie als solche deklariert werden.

Wandel gestalten, Revolution vorantreiben: Initiative zeigen

Dass die Berichte und Dokumentationen zum Thema sich mehren und die Thematik längst im Zentrum medialer und politischer Aufmerksamkeit angekommen ist, ist gut. Wie kann sich aber nun ganz konkret etwas verändern?

Der Philosoph und Publizist Richard David Precht spricht in einem Dialog mit Prof. Gerald Hüther, den man sich hier ansehen kann, von einem Mentalitätswandel, den wir für die Bildungsrevolution dringend brauchen.

Schule ist Länderhoheit. Das bedeutet, dass Schule nicht zentral gelenkt wird, sondern durch die einzelnen Bundesländer, in Deutschland sprechen wir dabei von einem Bildungsföderalismus. Nur so kann es z.B. sein, dass es in Sachsen derzeit eine Forderung des Landeselternrates gibt, die  sich für die Aussetzung der Schulpflicht einsetzt. Sollte diese Forderung an Fahrtwind gewinnen, wäre Sachsen vielleicht bald das erste Bundesland, in dem es auch offiziell erlaubt ist, dass Kinder frei sich bilden, z.B. durch home schooling, unschooling oder in einer anderen Form. Wir alle wissen, dass es jedes Jahr, wenn eine neue Wahl bevorsteht, auch eine neue Reform von der jeweiligen Regierung gibt, welche aber nicht im Interesse der Schule, sondern darin besteht, neue Wählerstimmen zu gewinnen. Nach Prof. Hüthers Aussagen, der im Übrigen auch Mitglied des Zukunftsrates der Bundesregierung ist, bedeutet das, mehr Eigenverantwortlichkeit auf der kommunalen Ebene zu gewinnen:

„Man kann natürlich solche Strukturen dadurch in Bewegung bringen, dass die Menschen, die in diesen Strukturen leben, nicht mehr damit einverstanden sind. Wenn es genügend erwachsene Menschen in Deutschland gibt, die sagen „Wir wollen das nicht mehr und wir wählen auch keine einzige Partei mehr, die diese föderalen Strukturen im Bildungssystem so aufrecht erhalten will!“, dann ändert sich auch politische Haltung sehr schnell und dann kann das auch neu organisiert werden, d.h. wir erleben gegenwärtig doch eine Zeit, in der es auf die Mündigkeit und die Wahrnehmung der Eigenverantwortung der Bürger ankommt. Was wir also bräuchten, ist so eine Art bürgerschaftliches Engagement, eine zivilgesellschaftliche Bewegung, die die Politiker zwingt, diese andere Art von Schule zu unterstützen, den Rahmen dafür zu schaffen , dass die entstehen kann, die im 21. Jahrhundert gebraucht wird. Sie werden es k aum von oben anordnen können“***

Abschließend seiner Aussagen fasst er noch einmal zusammen, was durch diesen Artikel auch deutlich werden soll:

„In der Gesellschaft [werden sich diese Strukturen] auch neu organisieren, nicht indem wir darüber reden, sondern indem wir los gehen! Wir haben kein Erkenntnisdefizit – wir wissen genau, wie es besser sein sollte. Wir haben ein Umsetzungsdefizit! Und gegen diese Umsetzungsbarriere werden nicht die Politiker [angehen], auch nicht die Kulturministerkonferenzen. Gegen diese Umsetzungsbarrieren in unserem Land, die Kinder und Jugendliche daran hindern, die Potentiale, die in ihnen drin stecken, zu entfalten, [dagegen] müssen die Bürger in diesem Land anrennen!“

Ein Schritt, den jeder tun kann

Es gibt den eingetragenen Verein Schulfrei Bewegung. Mit dem Slogan „Bildung und soziale Teilhabe sind Menschenrechte – unabhängig vom Wo und Wie“ setze auch ich mich als Mitglied dort dafür ein, dass der Wandel hin zum frei sich bilden dürfen in Deutschland vorangetrieben wird – und zwar schnell! Mitglied werden kann hier jeder, der sich in diesem Bereich engagieren möchte, das geht finanziell schon ab einer monatlichen Spende von fünf Euro. Wer nicht spenden, sondern sich aktiv in die Prozesse einbringen und etwas bewegen, den Wandel mitgestalten möchte, trifft hier auf weit über einhundert Mitglieder und ein Netzwerk aus echten Aktivisten und Changemakern, die sich intern über eine zentrale Plattform organisieren, dort in Arbeitsgruppen aufteilen und so untereinander austauschen und voranbringen. Sollten z.B. durch das Teilen und Weiterempfehlen allein dieses Artikels 100 neue Mitglieder, die mit einem Monatsbeitrag von fünf Euro auch spenden möchten, gewonnen werden können, hätte die Bewegung zusätzlich 500 Euro Vereinseinnahmen im Monat. Diese stehen auch den Mitgliedern selbstverständlich wieder zur Verfügung, z.B. bei der Organisation von bildungspolitischen Veranstaltungen und Kampagnen. Bereits jetzt agiert die Bewegung als absolut autarke und starke Initiative und kann auf ständig wachsende, auch finanzielle Mittel zurückgreifen. Durch die Schulfrei Bewegung bringst du diesen Wandel so maßgeblich voran und gestaltest die Zukunft deiner Kinder und Enkelkinder  zusammen mit anderen Gleichgesinnten ganz entscheidend mit. Über dieses Formular kannst du ganz einfach und in wenigen Sekunden Mitglied werden und deinen Freunden, Bekannten und Verwandten davon berichten.

Auf dieser Seite hat Zwerggeflüster Informationsmaterial zum Thema Bildungsfreiheit in Form von 37 Medien, die es dazu bereits gibt, zusammengetragen. Hier geht´s direkt zur Seite.

Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist. {Victor Hugo}

 

 

Dieser Artikel ist unentgeltlich und auf Basis unabhängigen, ehrenamtlichen 
Engagements verfasst worden.

* aus: Zeitmanagement für kreative Chaoten, Cordula Nussbaum

** aus: Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft, Stand und Perspektive, Berlin 6. August 2012

*** Prof. Gerald Hüther im Gespräch mit Richard David Precht in dessen Sendung im ZDF

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*